Ist noch jemand da?
April 27th, 2009Hier, und schaut noch ab und zu vorbei? Ich hab die Existenz der Seite schon halb vergessen, und da es ja meine ist, frage ich mich... wie steht es wohl um euch?
Dieses Mal ohne das schon fast obligatorische „wie lange ist es doch schon her, dass...“ will ich gleich anfangen und „die zweite Geschichte“, oder besser gesagt den zweiten Teil der Geschichte zu Ende bringen.
Ein komischer Beigeschmack bleibt: Da bin ich in China, und schreibe in den letzten 2 Monaten fast nur über Vietnam und Kambodscha. Komisch, oder? Um überhaupt eine Ausrede zu haben ziehen wir mal die banalste heran, mit der auf meine Berliner Mitstudentin einverstanden wäre: „Urlob is schleßlich de jönste zeit im jaah, nich wa, wa?“
Also gut, das muss reichen..... auch wenn nicht recht überzeugend....
„Cambodia, to many westeners it seemed a paradise, another world, a secret world, but the war in neighbouring vietnam bursted its boarders and the fighting soon spread to neutral cambodia (The killing fields)”.
Das Zitat könnte treffen, was einen mit Kambodscha verbindet: Das „Khmer empire“ , Hochkultur, Ankor Wat, nie erreichte Bewässerungssysteme für mehr als 1 Millionen Menschen zw. 800-1400, über 100 Tempel und Gebäude- und das alles zwischen „Sugar palm trees“ (die für kambodscha so typischen Palmen), grünen Wäldern und Mekong. Und dann? Khmer Rouge, Demokratische Kampuchea, Pol Pot, Toul Sleng, Räumung der Städte, Jahr Null, Abschaffung von Geld, Märkten, jeglicher Kommunikation, Kollektivierung, Exekution der Intellektuellen, kommunistische Revolution mit 2 Millionen Toten...
Von Saigon in Vietnam aus fuhr der Bus nach Phnom Penh- mit letzterem sollte also meine Reise beginnen.... Doch bevor es zu den Schauplätzen der grausigen Geschichte ging standen andere Sachen auf dem Programm: Einfach durch das Straßengewirr laufen, den vielen Mönchen hinterherschauen, 1000 Motorradfahrer abwimmeln (in Phnom Penh, 2 Millionen Einwohner, gibt’s keinen einzigen Bus...) und die vielen Klöster bewundern, die mit ihren mystisch geschwungenen Dächern an Thailand und die Pracht und den Prunk vergangener Tage erinnern lassen.
Dann war es also soweit: Das in 2 Büchern gelesene (danke an die Bücherkopierer in Vietnam- ohne euch hätte ich nie so viel über die Zeit lesen können :-) sollte in Toul Sleng, dem Foltergefängnis der Roten Khmer, plastisch werden. Nähert man sich dem Gebäude, beschleicht einen schon ein leichter Schauer, da das Gelände, eine ehemalige Schule, so unglaublich banal, so einfach, so normal und alltäglich daher kommt. Mitten in einem Wohnviertel (1975 begann die Räumung der Städte, die Häuser waren also verlassen), zwischen Balkons, Garagen, eine Mauer mit mehreren Schulgebäuden- tausendfach gibt es sie, genau so. Nach 5 Stunden Mord, Folter, Opferbildern, Tafeln, Inventarlisten usw. hatte ich dann auch genug, andere historisch wichtige Plätze der Khmer Rouge sollten das bleiben, was sie sind: Geschichte. Man soll sie nicht vergessen, aber man muss auch nicht alles mit eigenem Auge gesehen haben.
Noch als kleiner Einschub, vielleicht hats der ein oder andere auch mitbekommen: Vor kurzem hat der erste Prozess im Fall Khmer Rouge begonnen, nach fast 30 Jahren... Einer der ersten Angeklagten is eben jener, der das Foltergefängnis geleitet hat, hier der link:
http://www.tagesschau.de/ausland/rotekhmer104.html
http://www.tagesschau.de/ausland/rotekhmer8.html
(Man überlese den deplazierten Kommentar des Verteidigers, „dass sein Mandant nur Befehle ausgeführt habe und nicht als Sündenbock für die Roten Khmer verurteilt werden dürfe. "Jedes Gefängnis hat die gleichen Befehle bekommen, alle von ganz oben. In jedem Gefängnis wurde gefoltert, in jedem Gefängnis wurden Menschen getötet. Warum wird nur 'Duch' angeklagt? Ist das die Gerechtigkeit der Vereinten Nationen?“)
Jaaa, ich könnte soviel schreiben.... hm... aber ich mach mal beim gemütlichen Teil der Reise weiter, ganz im Süden von Kambodscha an der Küste: 4 Tage Strand in einer kleinen Hütte direkt direkt direkt am Meer, mit weißem Sand, Liege, und Sonne en masse. Viel brauch ich wohl nicht zu sagen, es war genauso so, wie es sich hier ließt :-)
Entspannt und gewappnet für ein paar anstrengende Tage in Ankor ging es auf gen norden, doch vorher stand noch Pursat (Stadt) und eine Fahrt auf dem Bamboo-Train bevor. Bamboo-Train, oh man, was ein Gefährt..... Als kleine Beschreibung: „Each bamoo-train consists of a 3m-long wood frame, covered lengthwise with slats made out of ultra-ligt bamboo, that rests on two barbell-like bogies (Radgestell), the aft one connected by fan belts to a 6HP gasoline engine. Pile on 10 or 15 people or up to 3 tonnes of rice, crank it up and you can cruise along”. Oder schaut einfach auf das Bild, dann müsste es auch deutlich werden :-) Das Teil ist wirklich verrückt, da es nur eine spur gibt... man saust also wie auf einem fliegen Teppich durch die Landschaft, sitzt auf der Platte und betet, dass niemand von vorne kommt. Kommt doch jemand, wird gestoppt und der weniger beladene muss abbauen, d.h. alle Leute runter, die Platte, Motor und Metallrollen weg, passieren lassen und danach wieder alles aufbauen. Ich wollte die einzigartige Möglichkeit natürlich nutzen und bis zur „Endstation“ fahren, 3 stunden waren es hin, dann fast über 5 zurück, da laufend abgebaut werden musste und zu guter letzt noch ein Güterzug auf dem gleichen Gleis fahren sollte- zur Sicherheit sind wir eine halbe stunde früher vom Gleis.
Nach 2 anderen Städten ging es dann nach Ankor.... sagenumwoben... wohl das Highlight der Reise. Doch vorher noch ein ungewohnter Trade-off bei der Hotelsuche: Dorm mit Mäuschen die nachts übers Ärmchen laufen für 1 Dollar die nacht oder doch lieber ohne die geselligen Nachbarn für 5 Dollar. 4 Tage, d.h. 4 oder 20 Dollar... Ich überlasse es der Phantasie jedem von euch, für was ich mich entschieden habe :-)
Noch vornweg: Ankor besteht im wesentlichen aus 3 großen Gebieten, die alle in erreichbarer Entfernung liegen (15-20km) und zu unterschiedlicher Zeit entstanden sind. In jedem Gebiet gibbet es unendlich viele Bauten, Ankor Wat, der berühmtest der Tempel (na ja, Ankor Wat ist eigentlich ne Mischung aus Tempel und Mausoleum für Jayavarman VII (einer der letzten Könige in ankor)- der Mann, dessen Finger bei allen überdimensionalen Bauten in Ankor im Spiel waren...) ist nur einer von vielen- ein besonders monumentaler natürlich. Daneben gibt’s aber noch z.B. Bayon, ein riesiges Ding (Tempel für Avalokiteshvara- Bodhisattva der Barmherzigkeit (Bodhisattva: Kern der Bodhisattva-Philosophie ist der Gedanke, nicht selbst und allein für sich Erleuchtung zu erlangen und damit ins das Nirwana einzugehen, sondern statt dessen zuvor allen anderen Wesen zu helfen, sich ebenfalls aus dem endlosen Kreislauf der Reinlkarnationen zu befreien)) mit 54 Türmen, auf jedem 4 riesige, grinsende Gesichter eben jenen Avalokiteshvaras, das macht zusammen 216 grinsende Gesichter. Obwohl... es wird gemunkelt, dass ich der König selbst ein bisschen hat mit verewigen lassen indem das Gesicht etwas angepasst wurde- ich sage: Kein wunder, bei so einem Monument will man sich die Chance doch nicht nehmen lassen, oder?
Apropos Bayon.... hier gibt’s noch ne lustige Geschichte: Ich war 3 Tage in Ankor, jeden morgen um halb 5 hab ich mich aufs Rad geschwungen (die Tempel in einem Gebiet liegen alle nur 500m bis 1,5km auseinander, man kann also den ganzen Tag radeln, das macht Ankor noch mal um einiges reizvoller) und bin Richtung Tempel. Am zweiten Tag also zum Bayon.... Auf dem Weg hab ich noch einen Chinesen getroffen, auch mit Rad, und so sind wir dann zu zweit mit einer Taschenlampe weiter....weiter, um den anderen Touris zuvor zu kommen... Als wir, laut Plan, endlich hätten ankommen sollen teilte sich plötzlich der Weg. Einer rechts, einer links. Was? Shenma? (die chinesische variante von meinem kollegen) In der Karte war davon nichts zu sehen.... da ging es nur die Asphaltstraße geradeaus, und dann, dann war man da! Bayon. Wir fanden natürlich niemanden den wir hätten fragen können und so entschieden wir uns für rechts (90 Grad). Nach kurzer Zeit führte uns der Weg links ab, im 90Grad Winkel, dann wieder kurz geradeaus, wieder links im 90Grad Winkel, kurz geradeaus und dann rechts, wieder 90 Grad. Wenn jemand das alles aus einer „Fahrradperspektive“ nachvollzieht sollte etwas auffallen.... was? Wir sind einfach einmal um ein halbes Quadrat rumgefahren.... das Quadrat war natürlich der Bayon, es war nur stockfinster, wir haben keinen Meter gesehen und so sind wir mehrmals um das Ding rum, die Straße hoch und runter, haben doch noch einen einsamen Motorradfahrer getroffen und sind dann schließlich selbst auf den Clue gekommen... Jaja, auch 216 Gesichter scheinen manchmal nicht alles zu sehen (oder gesehen zu werden)... Trotzdem: Nach der ganzen Irrerei waren wir pünktlich zum Sonnenaufgang da, und die ersten Touristen kamen erst 1 Stunde später.
Apropos Touristen: Es war zum schreien, Ankor Wat: Im Reiseführer steht, die beste Zeit um die vermeidliche Hauptattraktion (Ankor Wat is von außen unbestreitbar das schönste aller Monumente, von innen gibt’s aber weitaus schönere!) zu besuchen ist zwischen 12-2, da die ganzen Gruppen dann im Hotel zum Essen sind. Und siehe da, ich war um 12 da und fast totenstille, unglaublich!! In Innenkomplex vielleicht 20 Leute, ich konnte es nicht glauben (ich war mal zum Sonnenaufgang da, 1000000 Leute, bin dann sofort wieder weg...). Und dann, wirklich, es war PUNKT 2, vielleicht 1 Minute und 42 Sekunden später, laufen hunderte, tausende von Touristengruppen den Weg zum Eingang, man sieht fast nur noch gelbe Base-Caps mit roten, lachenden Sonnen drauf, Menschen in weissen Hemden mit Sonnenbrille und Stab mit Fähnchen „Individual- Massentour in Kambodscha“ in der Hand vor einem Bulk Franzosen, Deutscher, Koreaner, Japaner und Chinesen. Ab diesem Zeitpunkt muss ich sagen, hab ich angefangen, Touristengruppen irgendwie zu mögen...
Hierbei will ich es mal belassen, ich hab eh schon zuviel geschrieben.... eins noch vielleicht zum Schluss: So schön und nett sich das gesagte über Ankor anhört, so zwiespältig ist es sich dort als Touri durch die Gegend zu bewegen. Kambodscha ist immer noch ein gezeichnetes Land, sei es ökonomisch auf der einen Seite mit einer ziemlich verarmten Landbevölkerung oder psychisch-mental, durch die Zeit der Khmer Rouge. Jeder 4te Kambodschaner kam in der Zeit ums Leben, und so saß ich zum Beispiel im Bus neben einem 30 jährigen, der, nach einigem Unterhalten, sagte, dass Vater und Onkel von dem Khmer umgebracht, seine Mutter nachts auf der Straße ermordet wurde. Diese Lebensläufe scheint man hier oft zu finden... ganz zu schweigen von vielen Landmienen, die hauptsächlich im nord-westen vergraben liegen.... und immer noch Blutzoll fordern...
Tübingen in....der virtual world....
März 6th, 2009Ich bin wieder hier....
Februar 26th, 2009In meinem Revier? Hm, so genau weiss ich das auch nicht- aber fühl mich schon ganz traulich eingewohnt hier ( aber keine Angst, noch droht kein Erschlaffen). Ganz schön lang her, dass ich das letzte Mal was geschrieben hab. 12.Dez .....Verdammt lang her, verdammt lang, verdammt lang her...
Da ich die letzten 5 Wochen im Urlaub war (ziemlich gleich auf Vietnam und Kambodscha verteilt), sollte hier eigentlich ein großer Reisebericht kommen. Aber... wollt ihr das wirklich hören? Wo es schon seit 6 Wochen schneit in Deutschland? Und gerade..... vielleicht... 5 Grad ist?
Also gut, los gings hier Anfang Januar, am 8., eigentlich viel zu früh, da ich die letzte Klausur am 6. geschrieben hab und eigentlich noch n bisschen „normale Zeit“ hier in Shanghai verbringen wollte. Normal ist hier aber vor chinesisch Neujahr (26.01) wenig, vom 8.01 bis zum 15.01 (und danach wohl erst recht nicht...) war kein einziges Zugticket nach Nanning, Provinzhauptstadt von Guangxi in Südchina, mehr zu haben, von wo aus ich nach Vietnam aufbrechen wollte. Kein Hardseat, kein softseat, weder hardsleeper noch softsleeper (im sozialistischen China gibt’s natürlich keine Klassen, logo).
Dann also am 8., 28 Stunden nach Nanning. Am Bahnhof dort angekommen ließ sich nicht übersehen, welche Konsequenz die leicht benachteilige geographische Position am unteren Ende Chinas hat, gerade vor chinesisch Neujahr: 12 Schalter (wohl 20 Stunden geöffnet), vor jedem vielleicht 100 Leute- alles will nach oben!
Im Prinzip war das nichts neues; bei einer Bekannten hier in Shanghai ist ein kleiner Zugticketschalter um die Ecke und sie erzählte jeden morgen, dass Leute schon nachts kommen und die Schlange morgens um 7 schon so lang ist (Schalter macht wahrscheinlich erst um 9 auf), dass sie einmal halb um das Tickethäuschen stehen. Ich dachte nur, mit 12 Schaltern und rund um die Uhr Versorgung ließe sich das in den Griff bekommen.... (Das dachten die chinesischen Staatsplaner wohl auch).
Ich wollte zum Glück gen Süden, daher war alles ziemlich einfach.
All denen, dich sich gerade Fragen: Warum fährst du eigentlich aus China raus? Jetzt, wo du endlich so halb chinesisch kannst? – euch sei gesagt, dass ich eigentlich auch lieber nach Sichuan, innere Mongolei und Tibet gefahren wäre, aber da ist es im Moment ziemlich kalt, Reisen bei Minusgraden macht einfach nur einen Bruchteil soviel Spaß wie bei 25-35.
25 Grad waren es denn auch in Hanoi. Die Unterschiede zu China fallen einem sofort auf, z.B. scheint sich jeder mit dem Motorroller zu bewegen (was bei einer Importsteuer von 90% (2007) auf neue Autos nicht gerade verwunderlich ist... mittlerweile sind es um die 60%). Es ist wirklich unglaublich wie sich vor jeder roten Ampel 100te Roller aneinander reihen.
Der Info des Auswärtigen Amtes glaub ich gern: „Bei der Anzahl der Verkehrstoten (zur Zeit mehr als 12.000 pro Jahr) rangiert Vietnam in der Weltstatistik ganz vorn“. In der Stadt führt das zu skurrilen Szenen, so herrscht z.B. in den (wenigen..) Bussen die es gibt gähnende Leere, mit 15 Mann fahren sie durch die Stadt und prädestinieren sie meiner Meinung nach geradezu als das 1A-topp Fortbewegungsmittel. Spottbillig und komfortabel, gibt’s da was besseres? ( Der Nachbar, Kambodscha, hat wohl schon früh erkannt, dass das System nicht all zu rentabel ist und seine Konseqzenz daraus gezogen: In Phnom Penh, mit 2 Millionen Einwohnern, gibt es keine öffentlichen Transportmittel, nicht einen Bus! ÖPNV? Hier nicht)
In der Altstadt, um einen See angesiedelt und in der man sich wohl als Touri die meiste Zeit aufhält, haben die Häuser alle nur 3-4 Stockwerke, eine ziemlich kleine Front zur Strasse hin (Steuern wurden danach berechnet, wie viel Platz das Haus an der Straße einnimmt) und ziehen sich dann wie ein langer Schlauch nach hinten. So stehen die Häuser denn dicht an dicht, manchmal sieht es aus wie quer aneinander gereihte Dominosteine (siehe bild unten). Auch sind die meisten Häuser bunt, von hellblau über rot bis kolonial-gelb ist alles vertreten- kurzum, vieles, was man in China selten sieht. Hanoi plus old quarter ist wirklich ein Städtchen mit Charme, von daher war ich auch 4 Tage dort, zusammen mit einer Südafrikanerin (nein, nicht schwarz, dickbusig und mit Rastas, sondern weiss, dünn und wohl mit ner Menge Geld –man verzeihe mir den letzten Satz...).
Von Hanoi aus ging es dann in die Berge nach Sapa, eine Gegend, die für ihre „Rice paddys“ (Reisfelder) berühmt ist und von einer Minderheit bewohnt wird. Eigentlich gibt’s hier im Januar und Februar nichts zu sehen außer die nächsten 5 Meter direkt vor einem, an einem von 3 Tagen hatte ich aber Glück, bombiges Wetter und so bin ich den ganzen Tag auf kleinen Wegen durch die Gegend gezogen- ein kleines Highlite der Reise, da man durch kleine Dörfchen kommt und wirklich alleine unterwegs ist. Ich hab viele Fotos gemacht, freut euch also auf einen (laaangen...) Dia-abend (oder schaut einfach auf das Bild hier rechts :-)
Die nächste Woche war nicht ganz so hochkarätig wie der Norden, da Vietnam so schmal und lang ist, und jeder runter nach Ho Chi Minh-City will, macht eigentlich jeder in den gleichen 3-4 Städten halt. Das Resultat: Sehr sehr sehr touristisch, „Moto-Moto-Moto“, Peinnnäääpool“, „hee Friend“ bestimmen das Geschehen und werden schnell zu einem etwas lästigen Begleiter.
Noch in Deutschland hätte ich nicht gedacht, dass Tourismus hier mittlerweile so groß geschrieben wird. Und so viele Reisegruppen aus Deutschland und Frankreich, alle so um die Mitte 60...k.K.
Hm, ich seh gerade, es gibt eigentlich so viel zu erzählen... Zum Beispiel die unglaublichen Tunnelanlagen von Vinh Moc in der entmilitarisierten Zone (die ironischerweise fast am heftigsten bombardiert wurde....) oder von Chu Chi im Süden. End, klein, schmal, zum Teil 3 Ebenen unter der Erde, 100te Kilometer lang, für viele das einzige "Haus" über viele Jahre hinweg. Eine gute Führung gab es dort, die die unschöne Vergangenheit lebendig werden ließ (dem einen oder anderen etwas zu lebendig: warum bitte gibt es einen Schießstand auf dem Gelände, wo man von einer kleinen Pistole über AK-47 bis Maschinengewehr und Granatenwerfer alles für ein paar Dollar die Kugel mieten kann und sich mal, oh yeah und hasta la vista baby, so richtig seinen Frust von der Seele ballern kann??). Oder das Mekong-Delta, übersät mit Flüssen, klein, groß, Kanälen, Wasserstrassen, schwimmenden Märkten usw..
Aber bevor ich noch 3 Seiten schreibe spring ich besser zurück- zurück zum Anfang und zum chinesischen Neujahr. Das gibbet nämlich auch in Vietnam, der Kalender ist gleich nur heisst das Fest hier Ted. Da Busse (die wenigen...) und Bahn hier nur vereinzelt fahren, Hostels teuerer werden usw. bin ich pünktlich raus aus Vietnam und -rein nach Kambodscha!
Das ist aber eine andere Geschichte, die es vielleicht nächstes Mal zu hören oder besser gesagt zu lesen gibt :-)
Vielleicht noch kurz zu meinem Alltag hier in Shanghai, dass mir niemand auf die unsinnige, völlig Tatsachen verdrehende Idee kommt den Gedanken zu fassen, ich würde die meiste Zeit hier im Urlaub verbringen. Seit diesen Montag (23.01.) hat die Uni wieder angefangen, das Zeichen pauken geht also in die zweite Runde.
Dieses Semester wird wohl um einiges anstrengender werden als das letzte, neben der Uni bin ich ab März für 3 Monate beim DAAD im Infozentrum als eine Art Hiwi: Messen besuchen, Berichte schreiben und über Studienmöglichkeiten in der Heimat beraten wird auf der Agenda stehen. Und dann, passend zum Ende hier an der Tongji, geht es wohl für 3 Monate zur GTZ in ein Mikrofinanzprojekt im ländlichen Raum in China. Dazu kommt dann noch Besuch, gleich morgen 2 Freunde aus Tübingen die für 4 Wochen Shanghai und China unsicher machen werden, dann im Juni und Juli-August die nächsten zwei (und mal schauen wer sich noch alles ankündigt, mittlerweile ist es ja geradezu ein Schnäppchen nach Shanghai zu fliegen)
Ich freu mich natürlich immer über bekannte Gesichter hier- so komm ich endlich wohl auch mal dazu, mir die Shanghaier „Sehenswürdigkeiten“ wie Museen und Co. anzuschauen.
Soweit mal, den Bericht über Kambodscha werde ich irgendwann noch folgen lassen. Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann (damit wäre dann auch der musikalische Kreis mit dem Anfang gezogen).
Gerade...
Januar 17th, 2009...im (wohlverdienten?) Urlaub, am 16.02. gehts weiter....
Die Chinesen sind schon verrückt-manchmal
Dezember 12th, 2008Warum? 3 Gruende sollen hier angefuehrt werden: Sprache, Party im Park und, und... was war das dritte? Es ist mir entfallen, entweder weil es mittlerweile einfach nicht mehr das `Verrückt-Kriterium` erfüllt weil es einfach normal ist oder aber es liegt an einem Hirn, was um 3 Uhr nachts nicht mehr richtig funktionieren will. Egal. Es wird mir noch einfallen.
Zuerst die Sprache also... Die ist ja sowieso ein Mysterium für sich, mit den ganzen Zeichen, die, gerade gelernt, wieder vergessen werden und selbst nach dem 8x wiederholen immer noch nicht so sitzen wie eine spanische Vokabel, die man sich 2x anschaut. `War der Strich gerade oder schräg? Kurzer oder langer Strich? 2 oder 3 Punkte über dem mittleren Strich?`. Fragen, die selbst manchmal die Lehrerin in die Knie vor ihrer eigenen Sprache zwingen (was natürlich keine Schande ist). Neben den nie enden wollenden Zeichen gibt es natürlich noch die Aussprache, die nicht weniger komplex und dem Ausländer wie ein großes `Hae?`-Erlebnis vorkommt. Natürlich nur dem ungeschulten Ausländermund bzw. -Ohr :-)
Bevor es ein paar Beispiele gibt, noch kurz als Erklaerung: Im chinesischen gibt es 4 bzw. 5 Betonungsarten für eine Silbe, die, je nachdem, wie ausgesprochen und betont, natuerlich völlig andere Bedeutungen haben.
1 Ton: gleichbleibend, monoton. Hohe Tonebene (=sprich `hoher` Ton, im Vergleich zum tiefen)
2 Ton: ansteigend, stimmlich von unten (tief) nach oben (hell)
3 Ton: von oben nach unten und wieder rauf, sprich eine `V` Bewegung mit der Stimme
4 Ton: von oben nach unten
5 Ton: einfach unbetont
Das berühmteste Beispiel ist wohl das Wort `ma`, dass
im 1. Ton: z.B. Mutter
im 2. Ton: z.B. Dummheit
im 3 Ton: z.B. Pferd
im 4 Ton: z.B. beschimpfen, beschuldigen
im 5 Ton: z.B. einen Fragepartikel, also unser `?`
heißt.
Dass `z.B.` ergibt sich daraus, dass es mit den Betonungsebenen nicht genug ist, nein, natürlich nicht, es ist ja schließlich Chinesisch. Also, zu dem Wort ma im 1. Ton gibt es naemlich viele Zeichen, die natürlich alle etwas anderes heissen. Schau ich zum Beispiel ins Woerterbuch unter dem Wort ma im ersten 1. Ton, zeigt er mir 12 Zeichen an. Nochmal: Alle werden zwar gleich ausgesprochen, aber unterschiedlich geschrieben und haben natürlich unterschiedliche Bedeutungen (schau ich nach dem Wort `shi` im 4. Ton, gibt es, allein in meinem kleinen handwörterbuch, 24 Zeichen zur Auswahl- unglaublich!).
So gibt es natürlich lustige Wortspiele, so mein chinesischer Name: 朱安(=`zhu` (im ersten Ton) und `an` (auch im ersten)), was soviel wie roter Frieden heisst –wohl ein guter Name in China, im roten China wohlgemerkt. Die Sache hakt aber, denn zhu, auch im ersten Ton, also sprachlich genau gleich, heisst z.B. auch schwein. Das friedliche Schwein? Naja..... wenigstens friedlich!
Oder neulich war ich mit einem Freund aus der Mongolei essen, sein chinesischer name ist Bajiaar (=`ba`im 1., `jia` im 1., `ar` im 3ten). Plötzlich ruft jemand aus der Küche seinen Namen, die beiden Chinesen neben mir können sich nicht mehr halten vor lachen. `Hae, hatt sie nich einfach nur Bajiaar irgendetwas gesagt?`. Nein, hat sie nicht. Sie hat das letzte `ar` im 2 Ton gesagt. Was heisst das nun?
`Ba` im 1. heisst z.B. auch die Zahl`8`, `jia` im 1ten auch `plus` und `ar` im 2ten die Zahl `2`. Also `2 plus 8`, dahin der schoene Name mit seiner tieferen Bedeutung. Dem ganzen hatt sie dann noch ein `ist gleich (also `=`) 10` hinzugefügt. Ja, sehr lustig, hätte ich es gleich verstanden hätte ich wohl auch gelacht.
Ein letztes Beispiel, `shanghai`. Shang(4 Ton, heisst `über`)hai(3 Ton, heisst hier `Meer`), die schöne Stadt, in der ich bin, heisst also übersetzt und richtig betont `über dem Meer`. Kommt man aber auch die Idee, shang im 1. und hai im 4 zu betonen, heisst es ploetzlich nicht mehr über dem Meer sondern `to injure, to harm, to hurt`, also das Verb `sich verletzten`.
So, genug Gänsefüßchen, ich hoffe es ist einigermaßen klar geworden, was ich sagen will und habe nicht mehr verwirrt... Man muss noch dazu sagen, dass natürlich nicht alles perfekt betont werden muss, sondern viele Woerter sich aus 2 silben zusammensetzten und sich viel aus dem Kontext ergibt. So kann man zum Beispiel auch shanghai falsch betonen und man weiss trotzdem, dass jemand nächste Woche nach Shanghai fährt und nicht irgendwo anders hin um sich dort blauschlagen zu lassen...
Nun zur Party im Park, ich mach es kurz: Letzte Woche war ich zum erste Mal am Wochenende im öffentlich Park. Hier scheint es der neuste Schrei zu sein, sich eine einfache, tragbare Musikbox zu kaufen, 2 Mikros dranzustoepseln, einen tragbaren DVD-Player drauf und fertig ist die mobile Karaoke-Station. So stehen am Wochenende im Park überall Leute mit den besagten Konstruktionen und bieten ihre Anlage an das versammelte Volk, für ein paar Cents kann man es mieten und seinen Parkbesuch durch ein nettes nachgesungenes Lied versueßen. Herrlich. So stehen überall Leute, von jung bis alt (wirklich unglaublich, alle Altersschichten sind vertreten) und singen irgendwelche Lieder. Die Qualität der Box ist natürlich grauenhaft miserabel, man hört einen großen `GRRAAENNMMMAA`-Brei -das scheint hier aber niemanden zu interessieren, `dabei sein` ist nun mal einmal alles!
Soweit heute, vielleicht schaff ich es noch ein Bild von der Szenerie zu knipsen, ich schau mal. By the way, der dritte Grund ist mir bis jetzt immer noch nicht eingefallen. Sobald ich mich wieder erinnere schreib ichs.










