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September...
Ja, mal wieder neues aus Fern-Ost. Wo soll ich anfangen? Vielleicht oben im hohen Norden und dann runter in den Süden... Ja? Also: Peking zuerst.
Eine gute Freundin (Sabrina, oben auf dem Bild) aus Tübingen war gerade ein Jahr in Peking. Um die Gelegenheit zu nutzen sie noch mal zu sehen und um die Paralympics mitzunehmen wollte ich das WE 12-14.09 hoch sie besuchen, und als ob das nich genug wär sollte am Montag noch ne Freundin aus Marburg (Sari, war sehr geil! :-) aus der Mongolei kommen, die gute 10 Stunden Aufenthalt in Peking hatte –genug Zeit, um wenigstens einmal kurz in der Stadt gewesen zu sein (na ja, so halb..). Doch bevor es soweit war stand zuerst die Zugfahrt an... Obwohl ich 4 Tage vorher zum Schalter bin (Tickets werden erst 5 Tage vorher verkauft), waren alle 5 Schnellzüge nach Peking ausverkauft, alle! Hardsleeper, Softseat, Softsleeper, einfach alles. „Also einen langsameren Zug“. „Entschuldigung, es ist alles ausverkauft“. Was? Nachdem ich schon aus der Reihe verscheucht worden bin hab ich mich an einen neuen Schalter gestellt- „so schnell werdet ihr mich nicht los“, dacht ich mir, und in China gibt es bestimmt immer noch ne Möglichkeit an ein Ticket zu kommen. Nach 20 Minuten stand ich dann wieder vor dem Fenster und siehe da, es gab noch ein Ticket.... Die Freude wurde zwar leicht durch die bevorstehende 22 stündige Zugfahrt getrübt aber was solls, Hauptsache ich komme nach Peking.
Am Freitag nach dem Unterricht ging es dann auch gleich los. Taxi? Bus? Taxi? Bus? “Ach, der Bus fährt auch zur Bahnstation, ich brauch kein teures Taxi“. Aber die Uhrzeit? Das Resultat zu langen Überlegens, zusammen mit der Tatsache, dass der Bahnhof auf dem Stadtplan quasi um die Ecke ist, es aber im Taxi immer noch 8 Kilometer sind, erwischte mich hart: Ich war nur 1 Minute zu spät am Bahnhof, 1 Minute. 13:01 Uhr, ich weiß es noch genau. Obwohl ich mich dann doch für das Taxi entschieden hab, ist der Zug ohne mich gen Peking... Andere Verbindungen gab es natürlich jetzt erst recht nicht mehr, doch bevor alles den Bach herunter gegangen wäre bin ich zum Flughafen und hab ein Ticket gekauft, für dessen Preis ich mit Germanwings bestimmt nach Istanbul oder Moskau hätte fliegen können... Nach nur 2 Stunden war ich also unerwartet schnell in Peking, in der Stadt warteten Sabrina und ihr Freund Ole, bei denen ich die Zeit über gewohnt habe.
Obwohl ich 2002 schon in Peking war scheint sich die Stadt für Olympia wirklich verändert zu haben: Der Himmel war blau, richtig blau, kein Smog der über der Stadt hängt, wie letztes Mal. Kein Stau, man kann richtig „fahren“ auf der Straße (eine strikte Politik: an einem Tag dürfen nur Autos mit geraden Endziffern auf dem Nummernschild (auch Taxis) auf die Straße, am anderen Tag die mit ungeraden Endziffern). Alles ist ausgesprochen sauber, Straßen, Gehwege. Und das, für mich wohl untypischste für China, man findet schwer etwas zum Essen. Alle kleinen Straßenstände scheinen (oder besser gesagt: sind ) verbannt, nichts mit leckerem Essen auf der Straße für 40 oder 50 Cent –völlig undenkbar in Shanghai. Auch Sabrina meinte, dass sich Peking in dem letzten Jahr ziemlich verändert hat und nicht alle Pekinger darüber glücklich wären.... Mal von den ganzen Veränderungen abgesehen ist Pekings Flair trotzdem schwer mit dem Shanghais zu vergleichen. In Shanghai ist alles eng, dröhnend, ein Hochhaus neben dem anderen, busy, manchmal „hip“ (die Kleidung ähnelt der westlichen: kurz, kürzer usw..). Peking ist eher weitläufiger, nicht so gedrungen und gestaucht wie Shanghai. Schlendert man durch die Hutongs (Wohnsiedlungen, meist einstöckig und baufällige Hütten, ca. ¼ aller Pekinger leben noch in Hutongs) vergisst man fast, in einer Großstadt zu sein.
Neben ein paar kleineren sights standen natürlich auch die Paralympics auf dem Programm: Blindensprint, Diskus aus dem Rollstuhl, Rollstuhlrennen uvm. im Vogelnest, Blindenfußball im Olympischen Park (der Ball klingelt), Rollstuhlrugby (die Ähnlichkeit zu Auto-scooter ist unverkennbar) und, ein kleines Highlite, das Finale im Rollstuhlbasketball Deutschland-USA mit Sarina (siehe Bild). Dass China in den Städten ein Problem mit zu vielen Mensche hat scheint bei der Olympiade oder wenigstens bei den Paralympics ein kleiner Vorteil zu sein, von einer Begleiterin der deutschen Rollstuhlrugby-Mannschaft hab ich gehört, dass es noch nie so einen Andrang bei den Paralymics gab wie hier in China: Glaub ich gerne, sogar das Vogelnest mit 91.000 Sitzplätzen war fast ausverkauft.
Eigentlich wollte ich noch schreiben, was sich in Shanghai getan hat, aber jetzt ist es doch schon mehr als gedacht, vielleicht noch soviel: Letzte Woche habe ich bei einem Tischtennisturnier mitgemacht, für neue Schüler an der Tongji. Ca. 150 Leute für 16 Platten, „das reinste Chaos“, dachte ich. Irgendwie haben sie es doch geschafft die einzelnen Spiele zu managen (ich wundere mich immer noch wie das zuging..), und am Ende bin ich 4ter geworden. Um hier richtig gut zu spielen kam es am Ende aber weniger auf spielerisches Geschick als auf eine gute Kondition an: Was war ich platt am Ende, das Bild spricht wohl für sich. Mal sehen, durch das Turnier hab ich ein paar Leute kennen gelernt (und sehr viele mehr mich- ich war der einzige Ausländer, von dem dann sogar ein paar Unterschriften wollten, und Fotos werden sowieso immer gemacht, schon ein komisches, unangenehmes Gefühl).
Die Uni läuft weiter (hab ich schon über den Unterricht geschrieben? Nein? Nächstes mal ausführlicher...), ich hab jeden Tag von 8:00 bis 11:40 unterricht und danach heißt es dann meistens Zeichen lernen. Mein Kurs ist eigentlich zu schwer für mich aber ich hoffe, dass ich so schneller lerne. Hoffentlich geht die Rechnung auf, aber bis jetzt scheinen die Zeichen kein Ende zu nehmen. Vamos a ver, entonces.
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