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Ich bin wieder hier....
In meinem Revier? Hm, so genau weiss ich das auch nicht- aber fühl mich schon ganz traulich eingewohnt hier ( aber keine Angst, noch droht kein Erschlaffen). Ganz schön lang her, dass ich das letzte Mal was geschrieben hab. 12.Dez .....Verdammt lang her, verdammt lang, verdammt lang her...
Da ich die letzten 5 Wochen im Urlaub war (ziemlich gleich auf Vietnam und Kambodscha verteilt), sollte hier eigentlich ein großer Reisebericht kommen. Aber... wollt ihr das wirklich hören? Wo es schon seit 6 Wochen schneit in Deutschland? Und gerade..... vielleicht... 5 Grad ist?
Also gut, los gings hier Anfang Januar, am 8., eigentlich viel zu früh, da ich die letzte Klausur am 6. geschrieben hab und eigentlich noch n bisschen „normale Zeit“ hier in Shanghai verbringen wollte. Normal ist hier aber vor chinesisch Neujahr (26.01) wenig, vom 8.01 bis zum 15.01 (und danach wohl erst recht nicht...) war kein einziges Zugticket nach Nanning, Provinzhauptstadt von Guangxi in Südchina, mehr zu haben, von wo aus ich nach Vietnam aufbrechen wollte. Kein Hardseat, kein softseat, weder hardsleeper noch softsleeper (im sozialistischen China gibt’s natürlich keine Klassen, logo).
Dann also am 8., 28 Stunden nach Nanning. Am Bahnhof dort angekommen ließ sich nicht übersehen, welche Konsequenz die leicht benachteilige geographische Position am unteren Ende Chinas hat, gerade vor chinesisch Neujahr: 12 Schalter (wohl 20 Stunden geöffnet), vor jedem vielleicht 100 Leute- alles will nach oben!
Im Prinzip war das nichts neues; bei einer Bekannten hier in Shanghai ist ein kleiner Zugticketschalter um die Ecke und sie erzählte jeden morgen, dass Leute schon nachts kommen und die Schlange morgens um 7 schon so lang ist (Schalter macht wahrscheinlich erst um 9 auf), dass sie einmal halb um das Tickethäuschen stehen. Ich dachte nur, mit 12 Schaltern und rund um die Uhr Versorgung ließe sich das in den Griff bekommen.... (Das dachten die chinesischen Staatsplaner wohl auch).
Ich wollte zum Glück gen Süden, daher war alles ziemlich einfach.
All denen, dich sich gerade Fragen: Warum fährst du eigentlich aus China raus? Jetzt, wo du endlich so halb chinesisch kannst? – euch sei gesagt, dass ich eigentlich auch lieber nach Sichuan, innere Mongolei und Tibet gefahren wäre, aber da ist es im Moment ziemlich kalt, Reisen bei Minusgraden macht einfach nur einen Bruchteil soviel Spaß wie bei 25-35.
25 Grad waren es denn auch in Hanoi. Die Unterschiede zu China fallen einem sofort auf, z.B. scheint sich jeder mit dem Motorroller zu bewegen (was bei einer Importsteuer von 90% (2007) auf neue Autos nicht gerade verwunderlich ist... mittlerweile sind es um die 60%). Es ist wirklich unglaublich wie sich vor jeder roten Ampel 100te Roller aneinander reihen.
Der Info des Auswärtigen Amtes glaub ich gern: „Bei der Anzahl der Verkehrstoten (zur Zeit mehr als 12.000 pro Jahr) rangiert Vietnam in der Weltstatistik ganz vorn“. In der Stadt führt das zu skurrilen Szenen, so herrscht z.B. in den (wenigen..) Bussen die es gibt gähnende Leere, mit 15 Mann fahren sie durch die Stadt und prädestinieren sie meiner Meinung nach geradezu als das 1A-topp Fortbewegungsmittel. Spottbillig und komfortabel, gibt’s da was besseres? ( Der Nachbar, Kambodscha, hat wohl schon früh erkannt, dass das System nicht all zu rentabel ist und seine Konseqzenz daraus gezogen: In Phnom Penh, mit 2 Millionen Einwohnern, gibt es keine öffentlichen Transportmittel, nicht einen Bus! ÖPNV? Hier nicht)
In der Altstadt, um einen See angesiedelt und in der man sich wohl als Touri die meiste Zeit aufhält, haben die Häuser alle nur 3-4 Stockwerke, eine ziemlich kleine Front zur Strasse hin (Steuern wurden danach berechnet, wie viel Platz das Haus an der Straße einnimmt) und ziehen sich dann wie ein langer Schlauch nach hinten. So stehen die Häuser denn dicht an dicht, manchmal sieht es aus wie quer aneinander gereihte Dominosteine (siehe bild unten). Auch sind die meisten Häuser bunt, von hellblau über rot bis kolonial-gelb ist alles vertreten- kurzum, vieles, was man in China selten sieht. Hanoi plus old quarter ist wirklich ein Städtchen mit Charme, von daher war ich auch 4 Tage dort, zusammen mit einer Südafrikanerin (nein, nicht schwarz, dickbusig und mit Rastas, sondern weiss, dünn und wohl mit ner Menge Geld –man verzeihe mir den letzten Satz...).
Von Hanoi aus ging es dann in die Berge nach Sapa, eine Gegend, die für ihre „Rice paddys“ (Reisfelder) berühmt ist und von einer Minderheit bewohnt wird. Eigentlich gibt’s hier im Januar und Februar nichts zu sehen außer die nächsten 5 Meter direkt vor einem, an einem von 3 Tagen hatte ich aber Glück, bombiges Wetter und so bin ich den ganzen Tag auf kleinen Wegen durch die Gegend gezogen- ein kleines Highlite der Reise, da man durch kleine Dörfchen kommt und wirklich alleine unterwegs ist. Ich hab viele Fotos gemacht, freut euch also auf einen (laaangen...) Dia-abend (oder schaut einfach auf das Bild hier rechts :-)
Die nächste Woche war nicht ganz so hochkarätig wie der Norden, da Vietnam so schmal und lang ist, und jeder runter nach Ho Chi Minh-City will, macht eigentlich jeder in den gleichen 3-4 Städten halt. Das Resultat: Sehr sehr sehr touristisch, „Moto-Moto-Moto“, Peinnnäääpool“, „hee Friend“ bestimmen das Geschehen und werden schnell zu einem etwas lästigen Begleiter.
Noch in Deutschland hätte ich nicht gedacht, dass Tourismus hier mittlerweile so groß geschrieben wird. Und so viele Reisegruppen aus Deutschland und Frankreich, alle so um die Mitte 60...k.K.
Hm, ich seh gerade, es gibt eigentlich so viel zu erzählen... Zum Beispiel die unglaublichen Tunnelanlagen von Vinh Moc in der entmilitarisierten Zone (die ironischerweise fast am heftigsten bombardiert wurde....) oder von Chu Chi im Süden. End, klein, schmal, zum Teil 3 Ebenen unter der Erde, 100te Kilometer lang, für viele das einzige "Haus" über viele Jahre hinweg. Eine gute Führung gab es dort, die die unschöne Vergangenheit lebendig werden ließ (dem einen oder anderen etwas zu lebendig: warum bitte gibt es einen Schießstand auf dem Gelände, wo man von einer kleinen Pistole über AK-47 bis Maschinengewehr und Granatenwerfer alles für ein paar Dollar die Kugel mieten kann und sich mal, oh yeah und hasta la vista baby, so richtig seinen Frust von der Seele ballern kann??). Oder das Mekong-Delta, übersät mit Flüssen, klein, groß, Kanälen, Wasserstrassen, schwimmenden Märkten usw..
Aber bevor ich noch 3 Seiten schreibe spring ich besser zurück- zurück zum Anfang und zum chinesischen Neujahr. Das gibbet nämlich auch in Vietnam, der Kalender ist gleich nur heisst das Fest hier Ted. Da Busse (die wenigen...) und Bahn hier nur vereinzelt fahren, Hostels teuerer werden usw. bin ich pünktlich raus aus Vietnam und -rein nach Kambodscha!
Das ist aber eine andere Geschichte, die es vielleicht nächstes Mal zu hören oder besser gesagt zu lesen gibt :-)
Vielleicht noch kurz zu meinem Alltag hier in Shanghai, dass mir niemand auf die unsinnige, völlig Tatsachen verdrehende Idee kommt den Gedanken zu fassen, ich würde die meiste Zeit hier im Urlaub verbringen. Seit diesen Montag (23.01.) hat die Uni wieder angefangen, das Zeichen pauken geht also in die zweite Runde.
Dieses Semester wird wohl um einiges anstrengender werden als das letzte, neben der Uni bin ich ab März für 3 Monate beim DAAD im Infozentrum als eine Art Hiwi: Messen besuchen, Berichte schreiben und über Studienmöglichkeiten in der Heimat beraten wird auf der Agenda stehen. Und dann, passend zum Ende hier an der Tongji, geht es wohl für 3 Monate zur GTZ in ein Mikrofinanzprojekt im ländlichen Raum in China. Dazu kommt dann noch Besuch, gleich morgen 2 Freunde aus Tübingen die für 4 Wochen Shanghai und China unsicher machen werden, dann im Juni und Juli-August die nächsten zwei (und mal schauen wer sich noch alles ankündigt, mittlerweile ist es ja geradezu ein Schnäppchen nach Shanghai zu fliegen)
Ich freu mich natürlich immer über bekannte Gesichter hier- so komm ich endlich wohl auch mal dazu, mir die Shanghaier „Sehenswürdigkeiten“ wie Museen und Co. anzuschauen.
Soweit mal, den Bericht über Kambodscha werde ich irgendwann noch folgen lassen. Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann (damit wäre dann auch der musikalische Kreis mit dem Anfang gezogen).




