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Ist noch jemand da?
Hier, und schaut noch ab und zu vorbei? Ich hab die Existenz der Seite schon halb vergessen, und da es ja meine ist, frage ich mich... wie steht es wohl um euch?
Dieses Mal ohne das schon fast obligatorische „wie lange ist es doch schon her, dass...“ will ich gleich anfangen und „die zweite Geschichte“, oder besser gesagt den zweiten Teil der Geschichte zu Ende bringen.
Ein komischer Beigeschmack bleibt: Da bin ich in China, und schreibe in den letzten 2 Monaten fast nur über Vietnam und Kambodscha. Komisch, oder? Um überhaupt eine Ausrede zu haben ziehen wir mal die banalste heran, mit der auf meine Berliner Mitstudentin einverstanden wäre: „Urlob is schleßlich de jönste zeit im jaah, nich wa, wa?“
Also gut, das muss reichen..... auch wenn nicht recht überzeugend....
„Cambodia, to many westeners it seemed a paradise, another world, a secret world, but the war in neighbouring vietnam bursted its boarders and the fighting soon spread to neutral cambodia (The killing fields)”.
Das Zitat könnte treffen, was einen mit Kambodscha verbindet: Das „Khmer empire“ , Hochkultur, Ankor Wat, nie erreichte Bewässerungssysteme für mehr als 1 Millionen Menschen zw. 800-1400, über 100 Tempel und Gebäude- und das alles zwischen „Sugar palm trees“ (die für kambodscha so typischen Palmen), grünen Wäldern und Mekong. Und dann? Khmer Rouge, Demokratische Kampuchea, Pol Pot, Toul Sleng, Räumung der Städte, Jahr Null, Abschaffung von Geld, Märkten, jeglicher Kommunikation, Kollektivierung, Exekution der Intellektuellen, kommunistische Revolution mit 2 Millionen Toten...
Von Saigon in Vietnam aus fuhr der Bus nach Phnom Penh- mit letzterem sollte also meine Reise beginnen.... Doch bevor es zu den Schauplätzen der grausigen Geschichte ging standen andere Sachen auf dem Programm: Einfach durch das Straßengewirr laufen, den vielen Mönchen hinterherschauen, 1000 Motorradfahrer abwimmeln (in Phnom Penh, 2 Millionen Einwohner, gibt’s keinen einzigen Bus...) und die vielen Klöster bewundern, die mit ihren mystisch geschwungenen Dächern an Thailand und die Pracht und den Prunk vergangener Tage erinnern lassen.
Dann war es also soweit: Das in 2 Büchern gelesene (danke an die Bücherkopierer in Vietnam- ohne euch hätte ich nie so viel über die Zeit lesen können :-) sollte in Toul Sleng, dem Foltergefängnis der Roten Khmer, plastisch werden. Nähert man sich dem Gebäude, beschleicht einen schon ein leichter Schauer, da das Gelände, eine ehemalige Schule, so unglaublich banal, so einfach, so normal und alltäglich daher kommt. Mitten in einem Wohnviertel (1975 begann die Räumung der Städte, die Häuser waren also verlassen), zwischen Balkons, Garagen, eine Mauer mit mehreren Schulgebäuden- tausendfach gibt es sie, genau so. Nach 5 Stunden Mord, Folter, Opferbildern, Tafeln, Inventarlisten usw. hatte ich dann auch genug, andere historisch wichtige Plätze der Khmer Rouge sollten das bleiben, was sie sind: Geschichte. Man soll sie nicht vergessen, aber man muss auch nicht alles mit eigenem Auge gesehen haben.
Noch als kleiner Einschub, vielleicht hats der ein oder andere auch mitbekommen: Vor kurzem hat der erste Prozess im Fall Khmer Rouge begonnen, nach fast 30 Jahren... Einer der ersten Angeklagten is eben jener, der das Foltergefängnis geleitet hat, hier der link:
http://www.tagesschau.de/ausland/rotekhmer104.html
http://www.tagesschau.de/ausland/rotekhmer8.html
(Man überlese den deplazierten Kommentar des Verteidigers, „dass sein Mandant nur Befehle ausgeführt habe und nicht als Sündenbock für die Roten Khmer verurteilt werden dürfe. "Jedes Gefängnis hat die gleichen Befehle bekommen, alle von ganz oben. In jedem Gefängnis wurde gefoltert, in jedem Gefängnis wurden Menschen getötet. Warum wird nur 'Duch' angeklagt? Ist das die Gerechtigkeit der Vereinten Nationen?“)
Jaaa, ich könnte soviel schreiben.... hm... aber ich mach mal beim gemütlichen Teil der Reise weiter, ganz im Süden von Kambodscha an der Küste: 4 Tage Strand in einer kleinen Hütte direkt direkt direkt am Meer, mit weißem Sand, Liege, und Sonne en masse. Viel brauch ich wohl nicht zu sagen, es war genauso so, wie es sich hier ließt :-)
Entspannt und gewappnet für ein paar anstrengende Tage in Ankor ging es auf gen norden, doch vorher stand noch Pursat (Stadt) und eine Fahrt auf dem Bamboo-Train bevor. Bamboo-Train, oh man, was ein Gefährt..... Als kleine Beschreibung: „Each bamoo-train consists of a 3m-long wood frame, covered lengthwise with slats made out of ultra-ligt bamboo, that rests on two barbell-like bogies (Radgestell), the aft one connected by fan belts to a 6HP gasoline engine. Pile on 10 or 15 people or up to 3 tonnes of rice, crank it up and you can cruise along”. Oder schaut einfach auf das Bild, dann müsste es auch deutlich werden :-) Das Teil ist wirklich verrückt, da es nur eine spur gibt... man saust also wie auf einem fliegen Teppich durch die Landschaft, sitzt auf der Platte und betet, dass niemand von vorne kommt. Kommt doch jemand, wird gestoppt und der weniger beladene muss abbauen, d.h. alle Leute runter, die Platte, Motor und Metallrollen weg, passieren lassen und danach wieder alles aufbauen. Ich wollte die einzigartige Möglichkeit natürlich nutzen und bis zur „Endstation“ fahren, 3 stunden waren es hin, dann fast über 5 zurück, da laufend abgebaut werden musste und zu guter letzt noch ein Güterzug auf dem gleichen Gleis fahren sollte- zur Sicherheit sind wir eine halbe stunde früher vom Gleis.
Nach 2 anderen Städten ging es dann nach Ankor.... sagenumwoben... wohl das Highlight der Reise. Doch vorher noch ein ungewohnter Trade-off bei der Hotelsuche: Dorm mit Mäuschen die nachts übers Ärmchen laufen für 1 Dollar die nacht oder doch lieber ohne die geselligen Nachbarn für 5 Dollar. 4 Tage, d.h. 4 oder 20 Dollar... Ich überlasse es der Phantasie jedem von euch, für was ich mich entschieden habe :-)
Noch vornweg: Ankor besteht im wesentlichen aus 3 großen Gebieten, die alle in erreichbarer Entfernung liegen (15-20km) und zu unterschiedlicher Zeit entstanden sind. In jedem Gebiet gibbet es unendlich viele Bauten, Ankor Wat, der berühmtest der Tempel (na ja, Ankor Wat ist eigentlich ne Mischung aus Tempel und Mausoleum für Jayavarman VII (einer der letzten Könige in ankor)- der Mann, dessen Finger bei allen überdimensionalen Bauten in Ankor im Spiel waren...) ist nur einer von vielen- ein besonders monumentaler natürlich. Daneben gibt’s aber noch z.B. Bayon, ein riesiges Ding (Tempel für Avalokiteshvara- Bodhisattva der Barmherzigkeit (Bodhisattva: Kern der Bodhisattva-Philosophie ist der Gedanke, nicht selbst und allein für sich Erleuchtung zu erlangen und damit ins das Nirwana einzugehen, sondern statt dessen zuvor allen anderen Wesen zu helfen, sich ebenfalls aus dem endlosen Kreislauf der Reinlkarnationen zu befreien)) mit 54 Türmen, auf jedem 4 riesige, grinsende Gesichter eben jenen Avalokiteshvaras, das macht zusammen 216 grinsende Gesichter. Obwohl... es wird gemunkelt, dass ich der König selbst ein bisschen hat mit verewigen lassen indem das Gesicht etwas angepasst wurde- ich sage: Kein wunder, bei so einem Monument will man sich die Chance doch nicht nehmen lassen, oder?
Apropos Bayon.... hier gibt’s noch ne lustige Geschichte: Ich war 3 Tage in Ankor, jeden morgen um halb 5 hab ich mich aufs Rad geschwungen (die Tempel in einem Gebiet liegen alle nur 500m bis 1,5km auseinander, man kann also den ganzen Tag radeln, das macht Ankor noch mal um einiges reizvoller) und bin Richtung Tempel. Am zweiten Tag also zum Bayon.... Auf dem Weg hab ich noch einen Chinesen getroffen, auch mit Rad, und so sind wir dann zu zweit mit einer Taschenlampe weiter....weiter, um den anderen Touris zuvor zu kommen... Als wir, laut Plan, endlich hätten ankommen sollen teilte sich plötzlich der Weg. Einer rechts, einer links. Was? Shenma? (die chinesische variante von meinem kollegen) In der Karte war davon nichts zu sehen.... da ging es nur die Asphaltstraße geradeaus, und dann, dann war man da! Bayon. Wir fanden natürlich niemanden den wir hätten fragen können und so entschieden wir uns für rechts (90 Grad). Nach kurzer Zeit führte uns der Weg links ab, im 90Grad Winkel, dann wieder kurz geradeaus, wieder links im 90Grad Winkel, kurz geradeaus und dann rechts, wieder 90 Grad. Wenn jemand das alles aus einer „Fahrradperspektive“ nachvollzieht sollte etwas auffallen.... was? Wir sind einfach einmal um ein halbes Quadrat rumgefahren.... das Quadrat war natürlich der Bayon, es war nur stockfinster, wir haben keinen Meter gesehen und so sind wir mehrmals um das Ding rum, die Straße hoch und runter, haben doch noch einen einsamen Motorradfahrer getroffen und sind dann schließlich selbst auf den Clue gekommen... Jaja, auch 216 Gesichter scheinen manchmal nicht alles zu sehen (oder gesehen zu werden)... Trotzdem: Nach der ganzen Irrerei waren wir pünktlich zum Sonnenaufgang da, und die ersten Touristen kamen erst 1 Stunde später.
Apropos Touristen: Es war zum schreien, Ankor Wat: Im Reiseführer steht, die beste Zeit um die vermeidliche Hauptattraktion (Ankor Wat is von außen unbestreitbar das schönste aller Monumente, von innen gibt’s aber weitaus schönere!) zu besuchen ist zwischen 12-2, da die ganzen Gruppen dann im Hotel zum Essen sind. Und siehe da, ich war um 12 da und fast totenstille, unglaublich!! In Innenkomplex vielleicht 20 Leute, ich konnte es nicht glauben (ich war mal zum Sonnenaufgang da, 1000000 Leute, bin dann sofort wieder weg...). Und dann, wirklich, es war PUNKT 2, vielleicht 1 Minute und 42 Sekunden später, laufen hunderte, tausende von Touristengruppen den Weg zum Eingang, man sieht fast nur noch gelbe Base-Caps mit roten, lachenden Sonnen drauf, Menschen in weissen Hemden mit Sonnenbrille und Stab mit Fähnchen „Individual- Massentour in Kambodscha“ in der Hand vor einem Bulk Franzosen, Deutscher, Koreaner, Japaner und Chinesen. Ab diesem Zeitpunkt muss ich sagen, hab ich angefangen, Touristengruppen irgendwie zu mögen...
Hierbei will ich es mal belassen, ich hab eh schon zuviel geschrieben.... eins noch vielleicht zum Schluss: So schön und nett sich das gesagte über Ankor anhört, so zwiespältig ist es sich dort als Touri durch die Gegend zu bewegen. Kambodscha ist immer noch ein gezeichnetes Land, sei es ökonomisch auf der einen Seite mit einer ziemlich verarmten Landbevölkerung oder psychisch-mental, durch die Zeit der Khmer Rouge. Jeder 4te Kambodschaner kam in der Zeit ums Leben, und so saß ich zum Beispiel im Bus neben einem 30 jährigen, der, nach einigem Unterhalten, sagte, dass Vater und Onkel von dem Khmer umgebracht, seine Mutter nachts auf der Straße ermordet wurde. Diese Lebensläufe scheint man hier oft zu finden... ganz zu schweigen von vielen Landmienen, die hauptsächlich im nord-westen vergraben liegen.... und immer noch Blutzoll fordern...




