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September...
September 25th, 2008Ja, mal wieder neues aus Fern-Ost. Wo soll ich anfangen? Vielleicht oben im hohen Norden und dann runter in den Süden... Ja? Also: Peking zuerst.
Eine gute Freundin (Sabrina, oben auf dem Bild) aus Tübingen war gerade ein Jahr in Peking. Um die Gelegenheit zu nutzen sie noch mal zu sehen und um die Paralympics mitzunehmen wollte ich das WE 12-14.09 hoch sie besuchen, und als ob das nich genug wär sollte am Montag noch ne Freundin aus Marburg (Sari, war sehr geil! :-) aus der Mongolei kommen, die gute 10 Stunden Aufenthalt in Peking hatte –genug Zeit, um wenigstens einmal kurz in der Stadt gewesen zu sein (na ja, so halb..). Doch bevor es soweit war stand zuerst die Zugfahrt an... Obwohl ich 4 Tage vorher zum Schalter bin (Tickets werden erst 5 Tage vorher verkauft), waren alle 5 Schnellzüge nach Peking ausverkauft, alle! Hardsleeper, Softseat, Softsleeper, einfach alles. „Also einen langsameren Zug“. „Entschuldigung, es ist alles ausverkauft“. Was? Nachdem ich schon aus der Reihe verscheucht worden bin hab ich mich an einen neuen Schalter gestellt- „so schnell werdet ihr mich nicht los“, dacht ich mir, und in China gibt es bestimmt immer noch ne Möglichkeit an ein Ticket zu kommen. Nach 20 Minuten stand ich dann wieder vor dem Fenster und siehe da, es gab noch ein Ticket.... Die Freude wurde zwar leicht durch die bevorstehende 22 stündige Zugfahrt getrübt aber was solls, Hauptsache ich komme nach Peking.
Am Freitag nach dem Unterricht ging es dann auch gleich los. Taxi? Bus? Taxi? Bus? “Ach, der Bus fährt auch zur Bahnstation, ich brauch kein teures Taxi“. Aber die Uhrzeit? Das Resultat zu langen Überlegens, zusammen mit der Tatsache, dass der Bahnhof auf dem Stadtplan quasi um die Ecke ist, es aber im Taxi immer noch 8 Kilometer sind, erwischte mich hart: Ich war nur 1 Minute zu spät am Bahnhof, 1 Minute. 13:01 Uhr, ich weiß es noch genau. Obwohl ich mich dann doch für das Taxi entschieden hab, ist der Zug ohne mich gen Peking... Andere Verbindungen gab es natürlich jetzt erst recht nicht mehr, doch bevor alles den Bach herunter gegangen wäre bin ich zum Flughafen und hab ein Ticket gekauft, für dessen Preis ich mit Germanwings bestimmt nach Istanbul oder Moskau hätte fliegen können... Nach nur 2 Stunden war ich also unerwartet schnell in Peking, in der Stadt warteten Sabrina und ihr Freund Ole, bei denen ich die Zeit über gewohnt habe.
Obwohl ich 2002 schon in Peking war scheint sich die Stadt für Olympia wirklich verändert zu haben: Der Himmel war blau, richtig blau, kein Smog der über der Stadt hängt, wie letztes Mal. Kein Stau, man kann richtig „fahren“ auf der Straße (eine strikte Politik: an einem Tag dürfen nur Autos mit geraden Endziffern auf dem Nummernschild (auch Taxis) auf die Straße, am anderen Tag die mit ungeraden Endziffern). Alles ist ausgesprochen sauber, Straßen, Gehwege. Und das, für mich wohl untypischste für China, man findet schwer etwas zum Essen. Alle kleinen Straßenstände scheinen (oder besser gesagt: sind ) verbannt, nichts mit leckerem Essen auf der Straße für 40 oder 50 Cent –völlig undenkbar in Shanghai. Auch Sabrina meinte, dass sich Peking in dem letzten Jahr ziemlich verändert hat und nicht alle Pekinger darüber glücklich wären.... Mal von den ganzen Veränderungen abgesehen ist Pekings Flair trotzdem schwer mit dem Shanghais zu vergleichen. In Shanghai ist alles eng, dröhnend, ein Hochhaus neben dem anderen, busy, manchmal „hip“ (die Kleidung ähnelt der westlichen: kurz, kürzer usw..). Peking ist eher weitläufiger, nicht so gedrungen und gestaucht wie Shanghai. Schlendert man durch die Hutongs (Wohnsiedlungen, meist einstöckig und baufällige Hütten, ca. ¼ aller Pekinger leben noch in Hutongs) vergisst man fast, in einer Großstadt zu sein.
Neben ein paar kleineren sights standen natürlich auch die Paralympics auf dem Programm: Blindensprint, Diskus aus dem Rollstuhl, Rollstuhlrennen uvm. im Vogelnest, Blindenfußball im Olympischen Park (der Ball klingelt), Rollstuhlrugby (die Ähnlichkeit zu Auto-scooter ist unverkennbar) und, ein kleines Highlite, das Finale im Rollstuhlbasketball Deutschland-USA mit Sarina (siehe Bild). Dass China in den Städten ein Problem mit zu vielen Mensche hat scheint bei der Olympiade oder wenigstens bei den Paralympics ein kleiner Vorteil zu sein, von einer Begleiterin der deutschen Rollstuhlrugby-Mannschaft hab ich gehört, dass es noch nie so einen Andrang bei den Paralymics gab wie hier in China: Glaub ich gerne, sogar das Vogelnest mit 91.000 Sitzplätzen war fast ausverkauft.
Eigentlich wollte ich noch schreiben, was sich in Shanghai getan hat, aber jetzt ist es doch schon mehr als gedacht, vielleicht noch soviel: Letzte Woche habe ich bei einem Tischtennisturnier mitgemacht, für neue Schüler an der Tongji. Ca. 150 Leute für 16 Platten, „das reinste Chaos“, dachte ich. Irgendwie haben sie es doch geschafft die einzelnen Spiele zu managen (ich wundere mich immer noch wie das zuging..), und am Ende bin ich 4ter geworden. Um hier richtig gut zu spielen kam es am Ende aber weniger auf spielerisches Geschick als auf eine gute Kondition an: Was war ich platt am Ende, das Bild spricht wohl für sich. Mal sehen, durch das Turnier hab ich ein paar Leute kennen gelernt (und sehr viele mehr mich- ich war der einzige Ausländer, von dem dann sogar ein paar Unterschriften wollten, und Fotos werden sowieso immer gemacht, schon ein komisches, unangenehmes Gefühl).
Die Uni läuft weiter (hab ich schon über den Unterricht geschrieben? Nein? Nächstes mal ausführlicher...), ich hab jeden Tag von 8:00 bis 11:40 unterricht und danach heißt es dann meistens Zeichen lernen. Mein Kurs ist eigentlich zu schwer für mich aber ich hoffe, dass ich so schneller lerne. Hoffentlich geht die Rechnung auf, aber bis jetzt scheinen die Zeichen kein Ende zu nehmen. Vamos a ver, entonces.
Nachdem das mit den Bildern hier nicht klappt ( danke Horand!), musst ich jetzt ne neue Seite fuer die Bilder machen... etwas umstaendlich, aber hier ist sie:
http://juliansbilderinchina.blogspot.com/
julian
Ich habe ein neues Fahrrad......
September 6th, 2008„Neu“ ist hier im wörtlichen Sinne zu verstehen, frisch vom Band von Wal-Mart ist es gerollt und glänzt und funkelt noch so dermaßen, dass ich gleich 2 Schlösser mitgenommen habe- wehe es kommt jemand auf die Idee, es wegzutragen. Warum ich jetzt doch auf ein elegantes Gefährt umgestiegen bin und keine alte Schese trete? 2 Tage bin ich hier durch die Gegend und hab nach gebrauchten Rädern gefragt (die Frau hier im Students Office hat mich schon für halb verrückt erklärt), jeder schickt einen zu einer anderen Straße und letzten Endes hab ich nix gefunden, bin nur bei verschiedenen Straßenständen gelandet die Fahrräder reparieren und neue „Räder“ verkaufen. „Räder“ trifft es wohl ziemlich gut, davon hatte es nämlich auch genau 2 aber die Bezeichnung „Fahr-rad“ hätte es nicht verdient, denn fahren konnte man auf dem Ding nicht. Die Bremsen gingen nicht, man hat wie an der Kette vorbeigetreten (die Bewegung des Tretens wurde nur in 50% (40%? 30?) der Fälle auf die Kette übersetzt- man hat also doppelt so schnell getreten, als man wirklich vorankam). Das Skurrile: Das „Gestell aus Metall“ war wirklich noch in Plastik eingepackt und ohne Zweifel „neu“, und für (special price), günstige 15 Euro zu haben.
Die Einsicht, dass ich damit das Jahr sicherlich nicht im Straßenverkehr überlegen werde kam relativ schnell, dazu: Warum versuch ich eigentlich 5 Euro bei einem Fahrrad zu sparen was ich jeden Tag benutzen werde (und mehrmals täglich!) und dann aber für 22 Euro eine Karte für Schwansee raushaue, für einen Abend, vielleicht 4 Stunden. Waren hier etwa die Prioritäten falsch gesetzt? Um die Wage wieder ins Gleichgewicht zu bringen und ein eindeutiges Zeichen zu setzten ging ich sofort in den nächsten Laden. Was kostet das Bike?? 30, 40, 50 Euro? Egal, ich kaufe es!! :-)
Fahrrad zu fahren ist einfach genial, mit Abstand die beste Methode um die Gegend hier kennenzulernen. Einfach irgendwelche Straßen lang, kurz halten, was zum Essen kaufen (was ist da bitte drinne?), an Restaurants, Garagenständen und Garküchen vorbei, schnell noch was Trinkbares holen, weiter, noch mal an der Garküche vorbei... Ja, all das stand auf dem Programm als ich am nächsten Tag wie ein junger Gott durch die Straßen gefahren bin..... ein Gott, ohne Luft! WAAS?! Hab ich nicht extra das verdammte teure Teil gekauft und nicht das alte Schrottige?? Es darf nicht wahr sein, 1 Tag alt und schon einen Platten. Sehr bis extrem gereizt bin ich also auf die Suche nach Abhilfe: Zum Glück ist jemand, der Fahrräder reparieren kann, ich China gleich um die Ecke :-) Mit einem kleinen Tisch und dem nötigen Werkzeug stehen sie an der Straße, und für nur 30 Cent (sehr viel billiger als ich dachte) hat er den Schlauch geflickt. Naja, denn auf ein neues. Mal abgesehen davon, dass ich mittlerweile einen neuen Schlauch habe (ein neuer Tag, ein neues Loch...) roll ich hier wieder durch die Gegend, mit dem neuen und nicht dem alten nostalgischen chinesischen Klapperrädchen. Wie weit der Wunsch nach so nem alten Rad gehen kann: Von einer Freundin hab ich neulich gehört, dass sie hier in der Tongji einen Deutschen getroffen hat der einach zu einem Chinesen ist und gesagt hat, er wolle sein Rad kaufen. „Aber das geht nicht, dann komme ich nicht mehr nach Hause“. Was macht der Deutsche? Ab in den nächsten Laden, kauft dem Chinesen ein neues Rad und fährt jetzt mit seinem alten rum... Naja, da halte ich meine Investition doch für ökonomisch sinnvoller.
Ja, ansonsten alles klar soweit. Der Uni-Kram ist hoffentlich bald erledigt, mittlerweile bin ich eingeschrieben, hab einen Einstufungstest hinter mir und am Montag fangen die Kurse an. Hab voraussichtlich vormittags Sprachkurs, nachmittags ist dann freiwillig (mal sehen, ob es wirklich so freiwillig ist wie sie sagen..). Für Internationale Studenten haben sie noch ein extra Kursangebot auf Englisch, das wirklich ziemlich interessant ist. Ich hab mich einen Kurs über nachhaltige Entwicklung in China angemeldet, der von einem Leiter des UNEP-Programms (United Nations Environmental Program) China gehalten wird und einem anderen Wirtschafskurs, mal sehen, wie das Niveau wird.
Eine andere berichtenswerte Sache betrifft meine neue Behausung, ich „musste“ ja umziehen. Als ich den Schlüssel umgedreht, die Tür aufgemacht und einen Blick hineingeworfen hab bin ich fast umgefallen, ein riesen Zimmer nur für mich alleine! (das darf man keinem Chinesen erzählen, sie wohnen zu 6t oder 8t in Doppelbetten...). Eigenes Bad (wie im Hotel), Balkon, Möbel -insgesamt vielleicht so 25m2. Und das heißeste: Alles komplett neu! Deshalb war ich auch die ersten 4 Tage im „normalen“ Ausländerwohnheim, hier haben sie nämlich noch gewerkelt und das Haus wurde wirklich erst vor 4 Tagen fertiggebaut... Naja, luxus pur kann ich da nur sagen und dank des Stipendiums bezahle ich keinen Cent (schon die alten Zimmer im anderen Wohnheim kosten 220Euro/Monat :-) Ich häng mal 2 Bilder dran, man achte auf den eingepackten Wasserkocher und des Zettel der vom Boiler herunterhängt. Zum Zimmerbild: Da ich es aus dem Zimmer fotographiert hab sieht es noch etwas kleiner aus als es ist, hinter dem Bett rechts im Bild steht genau das gleiche noch mal (ich habe alles doppelt), da kommen also noch mal 2,5meter :-)
Ps: Mein Nachbar (Deutsch-Franzose, wir verstehen uns super) hat neulich 2 Liegestühle gekauft und damit sind wir einfach hier oben aufs Dach. Ich kann euch sagen, der Blick..... ... der würde so einige neidisch werden lassen... (soll man nicht immer positiv enden? Oder ist das schon zuviel des Guten? :-)
Großstadt Ahoi....
....ich komme! Nach 11 Stunden Flug und besserem Service als erwartet (mit Air-Berlin nach China- ich war auf alles gefasst) bin ich endlich angekommen, fast 20 Millionen Einwohner, Häuser, die erst im 30. Stockwerk anfangen (so scheint es), Transrapid, 100000 Fahrräder, kleine Straßenrestaurants und gedämpfte Teigtaschen werden also für das nächste Jahr mein „Zuhause“ sein. Ich bin gespannt. „Aber bist du nicht in Nanjing?“ –wird sich der eine oder andere Fragen. Dort wollte ich eigentlich hin, hatte den Platz an der Uni bis vor ein paar Wochen ein Brief mit der frohen Botschaft kam: Vollstipendium der China Mission to the European Union für Shanghai, Tongji-Universität. Da ich jetzt einiges bezahlt bekomme (plus Taschengeld :-) habe ich angenommen und bin jetzt in Shanghai. Schon ein lustiger Zufall, Niko und seine Familie, dich ich 2x hier in Shanghai besucht habe, haben 2 Querstraßen von hier entfernt gewohnt, seine Mutter hat hier an der Uni unterrichtet. So groß und doch so klein möchte man sagen... obwohl es nicht heißt, dass ich die Gegend hier gut kennen würde- in 7 bzw. 5 Jahren kann sich hier alles verändern (und einiges hat es. Standen die 3 Hochhäuser damals schon? Was ist mit dem einen Restaurant passiert?). Aber alles der Reihe nach...
Als ich aus der U-Bahn in der Nähe der Uni raus bin hat es ziemlich geregnet, ich hatte natürlich nix dabei und den Weg zur Uni kannte ich auch nicht. Ich hab 2 ältere Leute gefragt wie ich zur Uni komme und schau da, plötzlich halten sie beide ihren Schirm über mich und sagen, dass ich mit ihnen gehen soll (vielleicht sah ich so bemitleidenswert aus, mit den 2 Rucksäcken, dem riesen Koffer und den nassen Kleidern :-). Letzten Endes haben sie mich bis zum Tor der Uni gebracht, ausgesprochen hilfsbereit. Unterhalten konnten wir uns auch ein bisschen, obwohl natürlich nur die basics „abgefragt“ wurden (wo kommst du her, was machst du hier...usw..). Der Rest war ziemlich unkompliziert, vom StudentsOffice bin ich ins Wohnheim und hab sofort ein Zimmer bekommen, das zwar nicht gerade groß ist (ehrlich gesagt passen nur 2 Betten rein, und hier soll man zu zweit wohnen.....?) aber eigenes Bad hat. Die Frau an der Rezeption meinte noch, dass ich nächste Woche in ein neues Wohnheim umziehen kann (danke an das Stipendium!), es aber noch nicht ganz fertig ist. Mal sehen, was mich da erwartet...
Ja, in den ersten Tagen bin ich viel mit der U-Bahn in der Stadt unterwegs gewesen, hab viele „das-kann-ich-für-mein-Jahr-hier-gebrauchen“-Sachen gekauft (sprich Computerboxen, Schreibkram usw.) und immer fleißig Zeichen geübt. Am 2. und 3. September muss ich mich einschreiben, danach gibt’s n Einstufungstest und da will ich alles drauf haben, was wir in den Uni hatten- viel arbeit..... Ansonsten bin ich noch auf der Suche nach einem gebrauchten Fahrrad, ich hätte gerne so n schönes verrostetes Klapperrädchen (es wird sowieso wieder geklaut) aber bisher hatte ich noch kein Glück. Ich hoffe, dass das bald klappt, denn die Gegend zu Fuß zu erkunden ist mühsam und um das Gewirr von Buslinien zu durchschauen werde ich wohl noch geschätzte 3 Jahre brauchen.
Soweit erst mal, Gruesse aus Shanghai
ps: Der obligatorische Wetterbericht darf natuerlich nicht fehlen: Ca. 28 Grad, bis auf den ersten Tag kein Regen und ca. 70% Luftfeuchtigkeit, recht angenehm also
