Paris, je t'aime!
Heute bin ich genau seit einem Monat und einem Tag in Paris. Und inzwischen fühle ich mich auch wohl hier. Als ich am Sonntag Abend, nach einem schönen erlebnissreichen Wochenende und bei langsam unterghender Sonne aber noch blauem Himmel auf dem Place du Trocadero stand und diesen wunderbaren Blick auf den Eifelturm und die ganze Stadt genießen durfte, hüpfte wirklich das Herz in meiner Brust und ich dachte: Paris, je t'aime!
Ich war einfach total glücklich, hier zu sein. Und diese Momente nehmen in den letzten Tagen zu, während der Stress der ersten Wochen fast ganz verschwunden ist. Auch kleine Streiks (gestern und heute wurde meine "Haus-RER" B bestreikt und fuhr nur alle 20 Minuten) bringen mich nicht mehr aus der Ruhe. Dann nehme ich einfach das Fahrrad! Seit heute bin ich nämlich auch stolze Besitzerin eines Vélib-Abos. Das habe ich gleich ausgenutzt und bin - mit vielen kleinen Pausen, um Läden anzuschauen - bis zur Place de la République gefahren. Der doppelte Kreisverkehr mit den ca. 13 abgehenden Avenuen, Boulevards und Straßen dort war mir dann aber doch nicht ganz geheuer, sodass ich lieber abgestiegen bin und geschoben habe.
Nicht nur mein Vélib-Abo habe ich endlich bekommen, sondern letzten Freitag auch den heißersehnten Studentenausweis. Damit bin ich jetzt offiziell Pariser Studentin. Der Ausweis ist eine moderne Chipkarte mit Foto und Magnetstreifen, auf den man Geld fürs Kopieren, die Mensa oder sonstige Dinge laden kann - alles natürlich sponsored by BNP-Paribas, die hier eigentlich so ziemlich bei allem mitmischt.
Den Auweis zu bekommen hat mich noch einmal viel Zeit, Schweiß und Nerven gekostet. Bis Mittwoch hat noch alles super geklappt: Ich hatte um 14 Uhr einen Termin beim Maison internationale und kam um fünf nach zwei mit der "Convocation", der Zulassung für die administrative Einschreibung und einem Termin dafür wieder raus: Am Donnerstag musste ich um 14 Uhr zum Centre Pierre- Mendès, wo sich viele Verwaltungsbüros befinden und das schon fast im Quartier chinois, also der Pariser Chinatown liegt. Außer mir waren noch geschätzte 200 Studenten zum gleichen Zeitpunkt da. Und viele Sécurité-Leute. Denen musste ich immer die Convocation vorzeigen. Schließlich bekam ich einen Stapel Infoblätter und durfte mich in eine "Wartereihe" setzen. Und dann hieß es erstmal Warten. Und alle 10 Minuten zwei Stühle weiterrücken. Nach ca. 1 Stunde durfte ich dann in ein improvisiertes Großraumbüro und nach nochmal 5 Minuten zu einer Frau an den Schreibtisch. Die nahm meine Daten auf, fand aber die Uni Tübingen nicht in ihrem Computer. Ich versichterte ihr, dass diese wirklich existiere und es in Deutschland mehr Unis als die ca. 25 in ihrem PC gebe. Das war dann auch ok.
Aber dummerweise habe ich ihre Frage, ob ich in Tübingen schon Studiengebühren gezahlt hätte ehrlich und mit Nein beantwortet. Und damit fingen die Probleme erst an. Ich hatte die 230 Euro in Cash und eine Visakarte dabei. Beides ging nicht. Auch Überweisung oder Bankeinzug war nicht möglich. Erklärungsversuche und Jammern halfen auch nicht. Stattdessen meinte die Zuständige, ich solle ein "Mandat de Cash" bei der Post machen. Ich wollte einfach nur noch meinen Ausweis und bin deshalb die ca. 10 Minuten zu Post gelaufen, um mich dort in eine lange Warteschlange einzureihen. Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich zum Schalter kam, wollte die Frau dort meine Nummer sehen. Welche Nummer? Oh nein, ich hätte, wie z.B. beim Arbeitsamt, eine Nummer aus einem Gerät ziehen müssen. Das hatte ich wegen der vielen Menschen gar nicht gesehen. Ich hätte am liebsten geschrien oder geheult, denn ich kam mir vor wie in einer Parodie. Das gibt's doch nicht! Schließlich habe ich doch eine Nummer gezogen, nur um nach nochmals 10 Minuten Warten zu erfahren, dass ich für das Mandat(natürlich) Gebühren zahlen muss. Hätte ich mir ja denken können. Aber irgendwie sah ich's nicht ein. Das ganze hatte mich schon genug genervt. Und außerdem war bei der Uni inzwischen wohl eh niemand mehr. Deshalb bin ich dann einfach nach Hause. Und habe am nächsten Tag meine deutsche EC-Karte mitgenomnmen. Und damit konnte ich tatsächlich bezahlen. Weil die eine Chip hat! Ich musste auch gar nicht mehr anstehen, sondern mir nur einen Passierschein besorgen, damit ich durch die Sécurité kam. Insgesamt fand ich die ganze Prozedur aber sehr kompliziert. Vor allem für die Uni selbst. Aber immerhin schafft das ein paar (vorübergehende) Studentenjobs ![]()
Inzwischen habe ich auch meine Kurse gewählt. Und mich riesig gefreut, dass ich keine Veranstaltung im - sorry, aber es stimmt - potthässlichen Centre Pierre-Mendès habe, sondern immer in den schönen alten Gebäuden beim Panthéon, der Sorbonne oder einem anderen am Boulevard Saint-Michel. Also mitten im Herzen des Quartier Latin:
Gleich um die Ecke liegt der wunderschöne Jardin du Luxembourg, der an schönen Sonntag voller Menschen ist. Die Kinder lassen dann auf dem großen Bassin ihre Segelschiffchen fahren:
Den Palais, in dem der Senat tagt, habe ich am Samstag während der Journées Européennes du Patrimoine besucht. Dort konnte man unter anderem den Thron Napoléons bestaunen:
Da waren nämlich sämtliche solche Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich. Nachmittags waren wir deshalb auch noch im Palais Royal. Dort befindet sich das Kultusministerium, der Verfassungsrat und der Staatsrat. Schon krass, wenn man sich vorstellt, dass sich in diesen alten und prunkvollen Gebäuden danz normale Staatsbüros befinden. Am Sonntag haben wir uns dann mal das Panthéon von innen angeschaut. Dort steht eine Nachbildung des Pendels von Foucault und in der Krypta sind viele wichtige Männer Frankreichs, aber nur zwei Frauen, nämlich Marie Curie und Sophie Berthelot, begraben. Wegen der Journées war es aber viel zu voll.
Dehalb sind wir ins 16. Arrondissement geflüchtet um uns dort ein Wasserresevervoir anzuschauen. Zuerst erfuhren wir einiges über Paris' Wasserversorgung, dann stiegen wir sozusagen aufs Dach und standen zwischen drei riesigen Bassins, in dem Wasser (hier zur Bewässerung, Reinigung, nicht zum Trinken)gesammelt und weiterverarbeitet, also gereinigt wird. In einem davon schwimmen sogar Fische, weil das Wasser nie ganz abgelassen wird. Da steht ein Haus, das direkt neben einem Bassin eine Terasse hat und somit einen Platz am Wasser. Außerdem sieht man von da oben auch den Eifelturm!
Danach bin ich zum Palce du Trocadero gelaufen, natürlich nachdem ich mir vorher noch ein Baguette gekauft und wie die Franzosen das Endstück abgebrochen und als Wegezehrung verspeist hatte
Und damit schließt sich der Kreis und endet mein Bericht für heute!
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24.09.08 21:20:21, 
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