Métro, boulot, dodo?

von amanda E-Mail

Es ist schon über einen Monat her dass ich das letzte Mal gebloggt habe!
J'suis vraiment désolée! Unter einem Blog stellt ihr euch bestimmt etwas anderes vor.
Aber vor allem die Uni hat mir die letzten vier Wochen wenig Zeit gelassen. Warum?

Nun, ich habe hier fünf Kurse: Séries temporelles (Zeitreihenanalyse), Commerce international (Internationaler Handel), Microéconomie du devéloppement (ungefähr: Mikroökonomie mit Bezug auf Entwicklungsländer), Macroéconomie globale und European Integration. In jedem Fach habe ich drei Stunden Vorlesung. Und bis auf European Integration sind die drei Stunden am Stück. Ich konnte mich in Tübingen ja gerade mal eineinhalb Stunden auf die gleiche Sache konzetrieren, zumindest wenn man mehr oder weniger passiv da sitz und zuhört (bzw. versucht zuzuhören). Aber drei Stunden fand ich dann doch heftig. Vor allem, wenn ich wie mittwochs zweimal drei Stunden am Stück habe oder wie freitags gar 7,5 Stunden. Und leider gibts hier kein c.t. (für Nicht-Studenten: cum tempore, d.h. die Vorlesung fängt ne viertel Stunde später an und hört ne viertel Stunde früher auf). Stattdessen hört der eine Kurs um Punkt 11 auf und der andere fängt um Punkt 11 an. Dazwischen muss man dann manchmal noch den Saal wechseln. Aber wenn man noch auf Toilette, was zu Essen oder nen Kaffee kaufen will wirds schon extrem knapp. Zum Glück machen wir in den drei Stunden nach 1 1/2 h 10 min Pause. Aber das reicht trotzdem nie. Vor allem, wenn man noch die Slides für die nächste Vorlesung ausdrucken oder lange Schlange stehen muss, weil bis auf einen alle Kaffeeautomaten kaputt sind. Da muss man sich dann meist für ein oder zwei Dinge entscheiden: Entweder man hat in der nächsten Vorlesung die Slides oder man hat was zu Essen. Aber beides geht nicht.
Naja, mit der Zeit lernt man, sich zu organisieren und erfährt z.B. immer bessere Möglichkeiten, Skripte auszudrucken. Bisher dachte ich, das geht nur im Centre Pierre Mendès, wo ich sonst keine Vorlesungen habe. Aber jetzt habe ich auch im Panthéon einen Computerraum entdeckt. Allerdings ist das Drucken hier wie dort etwas komplizierter als in Tübingen: Man muss sein eigenes Papier mitbringen. Dafür kostet's auch nichts. Dann muss man zuerst schauen, ob gerade niemand den Drucker benutzt, mit dem man druckn will. Und dann ganz schnell sein: Papier reinlegen, zum PC rennen und den Druckauftrag abschicken. Sonst druckt jemand mit meinem Papier oder mein Druckauftrag kollidiert mit nem anderen und es kommt nichts raus. Das finde ich schon ein bisschen kompliziert. Abrr wie gesagt, ich gewöhne mich daran.

Aber zurück zu meinen Kursen: Die sind inhaltlich auf jeden Fall gut. Am interessantesten finde ich zur Zeit Micro du développement. Und die Profs bzw "Maîtres de conférence" habens glaub ich schon drauf und kennen sich auf ihrem Gebiet echt gut aus.
Leider macht die Technik natürlich mal wieder nicht mit. So ist in einem der großen Hörsäle im Pathéon, in dem jeden Tag von 8 bis 8 Kurse stattfinden schon seit mindestens drei Wochen der Beamer kaputt! Zwei Wochen tat sich erstmal gar nichts. Jetzt haben wir so nen kleinen behelfsmäßigen Beamer. Aber für so ne rennomierte Uni grenzt das schon echt an einen Skandal. Naja, wie schon gesagt, Technik ist nicht so ihre Stärke, siehe Drucken.
Und das wichtigste ist ja, dass die Vorlesungen gut sind.
Leider gilt das nicht für European Integartion. Dieser Kurs ist auf Englisch, allerdings ist der Prof Italiener. Und hat eine ziemlich starken Akzent. Sorry, aber wenn ich das höre tut das manchmal echt schon weh. Und auch wenn er vielleicht rennomiert auf dem Gebiet ist (er war scheinbar auch schon an ner Ivy-Leage-Uni in den USA), er bringt den Inhalt einfach nicht gut rüber. Erschwerend kommt dann noch hinzu, dass die eine Vorlesung Donnerstag Abends von 20 bis 21:30 Uhr stattfindet! Und das in einem Amphi, also Hörsaal, der zwar ein schönes impressionistisches Gemälde aber eine miserable Belüftung hat. Da kann ich mich manchmal einfach nicht dazu übrwinden, nach dem Schwimmen nochaml extra an die Uni zu fahren. Deshalb habe ich den Kurs schon mindestens dreimal "geschwänzt". Zum Glück gibts da keine Anwesenheitspflicht.

In den TDs, also Übungen schon. Die habe ich aber nur zu zwei Kursen: Séries temporelles und Commerce international, beide donnerstags je eineinhalb Stunden. Wenn ihr jetzt mitgerechnet habt fragt ihr euch bestimmt: Schön, das macht insgesamt 18 Stunden. Das ist doch nicht besonders viel.
Stimmt! Und montags sowie dienstags habe ich gar keine Veranstaltungen. Aber ich habe ein Problem, besser gesagt zwei:
Das erste ist Mathe. Séries temporelles besteht bis jetzt praktisch nur daraus. Und die Franzosen gehen da voll ab! Rekursive Gleichungen vierten Grades? Komplexe Zahlen? Trigonometrie bis zum Abwinken? Oder alles zusammen? Alles kein Problem! Das ist doch Stoff aus dem ersten Semester. Teils sogar aus der Terminale, also der letzten Klasse des Lycée. Und diejenigen, die die Prépas (Classes préparatoires für die rennomierten Grandes Ecoles) gemacht haben lachen wahrscheinlich nur darüber. Aber mir bereitet das echt Probleme. Denn Folgen und Trigonometrie habe ich nach dem Abi verdrängt. Und das was wir in einem (!) Semester Mathe in Tübingen gemacht haben kommt mir dagegen echt wie ein Spaziergang vor. Aber alles Jammern hilft nichts: Ich habe mir Mathebücher ausgeliehen und hole mir Rat bei einem Mitbewohner, der eben jene Prépas gemacht hat und das Zeug deshalb wohl nie mehr vergessen wird.
Zu meinem zweiten Problem: fehlende VWL-Grundkenntnisse. Das liegt vielleicht teils auch daran, dass ich praktisch ein Jahr übersprungen habe, und hier Master-Kurse mache, obwohl ich erst im 3. und nicht im 4. Jahr bin. Aber es liegt auf jeden Fall auch daran, dass wir in Tübingen als VWLer(!) BWL-Fächer wie Einführung ins Rechungswesen, Internes Rechungswesen, Marketing und Personal gemacht haben, während sie hier tausend mal interessantere Fächer wie Internationaler Handel, Währungspolitik oder Industrieökonomik hatten, die mir jetzt tausend mal mehr nützen würden. Deshalb heißt es auch hier: Ich muss selber arbeiten. Und zumindest den Licence 3-Kurs zu Internationalem Handel selbst durchmachen, um erst einmal zu erfahren, was das Heckscher-Ohlin-Samuelson-Modell ist, bevor ich im Masterkurs verstehen kann, was der Unterschied zum Hecker-Ohlin-Vanek-Modell ist.

Tja, und da ich dazu natürlich auch die anderen Kurse nacharbeiten, Aufgaben für die Séries temporelles-TD rechnen und Präsentationen für die Commerce-TD vorbereiten muss, war ich die letzten Wochen gut beschäftigt. Ich hoffe, das lässt spätestens in drei Wochen nach. Dann habe ich wohl die eine Klausur und auch die zwei Präsentationen hinter mir.
Ein Wort noch zu den Präsentationen: Die sind ein echtes Trostpflaster. Denn das haben wir in Deutschland glaube ich besser gelernt als die Franzosen. Am Donnerstag habe ich z.B. ein absolutes Negativ-Beispiel erlebt: Mein Kommilitone hatte jede Powerpoint-Folie total vollgschrieben, mit ganzen Sätzen mit Punkt und Kommas! Die hat er dann vorgelesen, anstatt etwas vorzutragen. Und das ganze mit dem Rücken zum Publikum und 20 min länger als vorgesehen! Kein Wunder, dass ich dabei eingeschlafen bin! Wirklich! Bin aber zum Glück recht schnell wieder aufgeschreckt. Ok, lag vielleicht auch ein bisschen an meinem Schlafmangel. Aber trotzdem.

Ich mache beide Referate zusammen mit einer Italienerin, die aus Luxemburg kommt und schon seit drei Jahren hier studiert. Das erste ist diesen Donnerstag. Wir mussten dafür ein fünfzigseitiges Paper über die Empirie des Internationalen Handels lesen. War schon anstregend. Aber ich finde es total gut, dass wir die Originaltexte von bekannten Wirtschaftswissenschaftlern wie Trefler, Helpman oder Krugman (der hat dieses Jahr den Wirtschaftsnobelpreis bekommen) lesen. Das ist schon etwas anderes, als sich nur mit Skript und Lehrbuch zu beschäftigen. Aber eben nicht so leicht. Für unsere Presentation bin ich aber ganz zuversichtlich. Wir haben gestern 5 1/2 Stunden gearbeitet. Ich habe meine Kommilitonin auch gefragt, ob wir das auch etwas freier, mit weniger Text auf den Slides machen können oder ob die Standards hier andere sind. Und sie meinte, dass auch hier die Profs immer sagen würden, dass man wenig auf die Folien schreiben, nicht ablesen soll usw. Aber offentsichtlich hält sich da niemand dran. Und der Tutor meint auch noch: Gute Arbeit! Naja, bin mal gespannt wie unser Referat dann aufgenommen wird.

Bien, jetzt habe ich eigentlich nur von der Uni erzählt. Aber die letzten Wochen habe ich auch sonst außer Sport nicht mehr viel anderes gemacht.
Oh doch, noch ein paar neue Erkenntnisse gewonnen:

1.)Die Bars bei Bastille machen alle um 2 zu. (Ärgerlich, wenn man 20 vor 2 noch Cocktails für 8 Euro bestellt hat und 10 min später erfährt, dass man in 10 min gehen muss.)

2.) Halloween-Parties enden um halb 1. Da stellt sich die Frage: Können Franzosen nicht feiern? Nee, ich will jetzt nicht (schon wieder) lästern.

Und schließlich: Vegetarier haben's in Frankreich nicht leicht: In der Mensa gibt es zwei Sorten Pizza, die an sich echt lecker schmeckt. Leider sind die zwei Sorten oft: Rinderhack und Würstchen. Oder Schinken und Thunfisch (Wie, du isst dauch kein Fisch? Wo bekommst du dann deine Proteine her?) Aber, for a happy end: Das Mensapersonal hier ist tausendmal netter als in Tübingen: Auf Nachfrage, ob sie nicht veilleicht ne vegetarische Pizza habe, hat mir die nette Frau doch glatt angeboten, dass sie mir gerne ne Gemüsepizza in den Ofen schiebt, ich dann aber etwas warten müsste. Und nach nur fünf Minuten gehe ich mit einer leckeren, dampfenden Zucchini-Pizza zur Kasse!

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