Archiv für: Dezember 2008
Nerviger "Mitbewohner", vorweihnachtliches Paris und leckere Pâtisserie
Da es schon wieder ne Weile her ist, dass ich das letzte Mal gebloggt haben, gibt es einiges zu erzählen, um euch auf den neuesten Stand zu bringen:
Tout d'abord: Ich bin umgezogen. Wohne zwar noch im gleichen Haus, aber in einem anderen Zimmer. Diejenigen, die meine Rundmail im Oktober gelesen haben, wissen ja vielleicht schon, dass ich nicht so glücklich mit meinem Wohnheim bin: die Küche ist kalt und ungemütlich, auf dem Flur bröcklet die Farbe von der Wand, in den Duschen siedelt sich der Schimmel an und mein Zimmer ist mit 9 qm schon recht klein, zumal wenn man da auch noch sein Essen und Geschirr bunkern muss, weil man nichts in der Küche lassen darf und sollte (sonst wirds geklaut). Trotzdem hatte ich mich in den letzten zwei Monaten damit angefreundet dort zu wohnen, es mir in meinem Zimmer gemütlich gemacht und einige nette Leute kennengelernt.
Aber dann habe ich einen unangenehmen Mitbewohner bekommen: Als ich eines Tages den Vorhang zuzog entdeckte ich dahinter ein paar hässliche schwarze Flecken: eindeutig Schimmel! Klar, das ist die Außenwand, draußen wars inzwischen kalt, in meinem Zimmer warm und da die Isolierung nicht so gut zu sein scheint bildete die Wand das was man wohl "Kältebrücke" nennt. Dagegen musste ich etwas unternehmen. Also bin ich zum Büro und habe dort Bescheid gesagt. Die meinten aber nur, ich solle von der Putzfrau so ein Schimmelmittel holen und damit die Fläche reinigen. Habe ich dann auch zweimal gemacht. Damit wars dann für eine Woche ok, aber dann kam der Schimmel wieder - und zwar schlimmer als zuvor. Er war schon sehr hartnäckig. Innerhalb einer Woche hatte er sich bestimmt über einen halbe Quadratmeter ausgebreitet. Und auf der anderen Seit fings auch schon an. Arrrgh!
Also bin ich wieder ins Büro und wollte diesmal die Direktorin persönlich sprechen. Die war aber nicht da. Stattdessen schaute sich die "Ökonomin", also so was wie die Verwalterin des Hauses, mein Zimmer an. Sie meinte nur, das müsse ich einfach mal gut reinigen. Als ich ihr erklärte, dass ich das schon gemacht habe, der Schimmel aber immer wieder käme, weil das wohl ein Isolationsproblem ist und ich wegen meinen Allergien auf jeden Fall nicht mit Schimmel im Zimmer leben kann, meinte sie nur total schnippisch und unfreundlich: "J'ai aucune solution pour votre problème. Bonne journée" und schloss schon die Tür hinter sich. Sie hatte also "keinerlei Lösung für mein Problem". Weil angeblich alle anderen Zimmer belegt seien. Toll! Sie hätte sich ja trotzdem etwas hilfbereiter zeigen und vor allem freundlicher sein können!
Mir reichte es ertsmal. Zumal ich zuvor noch einmal beim Crous, dem Pariser Studentenwerk, vorbeigeschaut und nachgefragt hatte, ob sie mich auf die Warteliste setzten können, damit ich benachrichtigt werde, wenn in ihren Wohnheimen Plätze freiwerden. Aber da ich weder Erasmus-Studentin bin noch ein Crous-Stipendium nach sozialen Kriterien bekomme,sind die leider nicht für mich zuständig.
Also hatte ich nach der unfreundlichen Abfuhr der Verwalterin große Lust, alles hinzuschmeißen und mich in den nächsten Zug nach Deutschland zu setzten. Das war wohl der vorläufige Tiefpunkt meines Parisaufenthaltes. Zum Glück hab ich mich dann aber, wie ihr seht, dagegen entschieden
Schließlich habe ich viel dafür getan, hieher zu dürfen.
Trotzdem musste sich natürlich eine Lösung für mein Zimemr finden lassen.
Deshalb habe ich am darauffolgenden Montag die Direktorin direkt angerufen und um ein Gespräch gebeten. Sie hat sich den Schimmel ebenfalls angeschaut und meinte, sie würde jemanden schicken, um das zu reinigen. Ich erwiderte zwar, dass ich das auch schon gemacht hätte, der Schimmel aber wieder käme, auch weil wohl durch ein Leck im Dach Wasser eindringen konnte, gab mich dann aber trotzdem mit ihrem Angebot zufrieden. Immerhin passierte etwas. Und falls der Schimmel dann wieder käme (was ich stark vermutete) würde ich mich einfach wieder melden.
Vorsichtshalber habe ich das ganze dann noch schriftlich festgehalten und am Mittwoch Morgen einen Brief in den Bürobriefkasten gesteckt, in dem ich aufforderte, das Problem bis zum Freitag zu lösen, da ich sonst die Miete kürzen würde.
Und siehe da! Drohungen scheinen hier noch am besten zu wirken. Am Mittwoch Abend klopft es gegen 10 an meiner Zimmertür. Und davor steht die Verwalterin mit meinem Brief in der Hand: "Ich glaube wir haben eine Lösung für Ihr Problem gefunden. Es gibt im zweiten Stock noch ein freies Zimmer, genauso wie Ihres jetzt." Ach nee! Und ich dachte, es gibt keine anderen freien Zimmer? Naja, wo ein Wille ist ist eben auch ein Weg? Also sind wir in den zweiten Stock und - Überraschung: auch hier war Schimmel an der Wand. Sogar noch mehr als in meinem Zimmer! Nee danke, hier möchte ich nicht einziehen. "Bleiben Sie da, warten Sie ich komme gleich wieder". Ich war schon etwas perplex, als wir dann in die erste Etage sind und sie dort ein weiteres Zimmer öffnete. Diesmal ohne Schimmel, sonst genauso wie meines. Erst hieß es, es gibt keine freien Zimmer mehr und jetzt schien es ganz viele zu geben. Außerdem war sie plötzlich superfreundlich und meinte, wenn ich irgendwelche Fragen oder Probleme hätte, solle ich mich an sie wenden. Ansonsten wäre es gut, wenn ich bis Freitag Mittag umziehen würde. Kein Probelm! Am nächsten Tag half mir ne Freundin meine sieben Sachen nach untenzu tragen.
Und danach gönnten wir uns nen Cappuccino aus meiner neuen - original italienischen - Espressokanne, die mir die Eltern meiner italienischen Kommiltonin aus Italien mitgebracht hatten und saßen in meiner neuen Küche. Das war nämlich ein weiter Vorteil meines "Umzugs": Im ersten Stock ist die Küche renoviert, es gibt einen supermodernen Tousch-Screen-Herd (natürlich von Bosch)
, bei dem nicht alle 2 min die Sicherung rausspringt wie im dritten Stock und außerdem ein schönes Esszimmer mit großem Tisch. Auch die Duschen hier sind renoviert. Und schließlich habe ich festgestellt, dass es in meinem neuen Zimmer viel wärmer ist als in meinem alten.
Und das ist ein echter Vorteil, da es inzwischen in Paris ziemlich ungemütlich geworden ist: vorzugsweise nasskalt. Die letzten Tage hat es fast immer geregnet. Oder eher genieselt. Dazu weht ein fieser kalter Wind. Das scheint wohl das berüchtigte Pariser "Mikroklima" zu sein. Geschneit hat es auch zweimal. Aber das war einfach nur "moche"- ekelig. Mehr Schneeregen als Schnee. Und liegen bleibt das hier erst recht nicht.
Also so richtig weihnachtlich ist's noch nicht.
Auch wenn man überall tolle Beleuchtungen sieht, die ich vorletztes Wochenende bestaunen drufte, als eine Freundin aus Brodeaux zu Besuch war und wir mal wieder ein bisschen Sightseeing gemacht haben. Die ganzen Champs- Elysées sind ein einziges Lichtermeer. Am Ende leuchtet ein Riesenrad. Aber der Weihnachtsmarkt dort war enttäuschend. Ok, ist für Deutsche wohl überall so, zudem wenn das ganze noch an ner 8-spurigen Straße liegt. Außerdem fand ich manche Beleuchtungen echt zu kitschig. Vor Notre Dame steht ein Tannenbaum mit blauen Lichtern und auf dem Hôtel de Ville läuft eine echte Lichtershow blinkender Sterne ab. Das erinnert mich eher an Silvester. Wie auch die Schaufensterdeko bei Printemps. Da schweben Stoffbären mit dem Kopf in durchsichtigen Plastikkugelen zwischen Diskokugeln durch die Luft Was hat das bitteschön mit Weihnachten zu tun? Wesentlich schöner fand ich dagegen die Fassade von den Galeries Lafayette. Wenn ich die nächsten paar Tage dort vorbeikomme mache ich mal ein paar Fotos.
Mit Entzücken habe ich dagegen festgestellt, dass vor dem Hôtel de Ville ein Eisfläche aufgebaut wurde. Da will ich unbedingt Schlittschuhlaufen.
Heute waren wir erstmal auf einem Weihnachtskonzert von Radio France. Es sang zwar "nur" der Kinderchor, was wir nicht gewusst hatten, war aber trotzdem ganz nett. Und eignete sich als kleines Ratespiel: In welcher Sprache wird gerade gesungen? Es gab Französisch, Englisch, Latein, Schwedisch und auch Deutsch. Und da die Franzosen bekanntlich nicht gerade Sprachtalente sind, war es umso schwieriger ![]()
Vorher haben wir uns noch "Pâtisserie" und nen Café crème im angegblich besten Café Paris gegönnt: dem "Angélina" Das liegt an der Rue Rivoli, gegenüber vom Jardin des Tuileries udn ist in richtig schönem alten Pariser Décor eingerichtet - und dementsprechend teuer: Für eine der süßen Köstlichkeiten muss man durchschnittlich 7 Euro bezahlen. Sie haben aber auch sehr gut geschmeckt. Doof fand ich nur, dass man uns in die erste Etage verfrachtet hatte. Da war nicht so viel vom Décor übrig. Außerdem stellte ich fest, dass um uns herum niemand Französisch sprach, sondern Englisch, Italienisch, Chinesisch... Scheinbar werden Touristen dorthin verfrachtet, damit sie das schöne Bild im Erdgeschoss nicht stören. Aber wir sind doch gar keine Touristen! Naja, unser Französisch ist eben noch nicht gut genug. Um meine Theorie zu übrprüfen muss ich da auf jeden Fall nochmal hin, dann aber mit Franozosen im Schlepptau, die dann die Frage nach der Personenanzahl beantworten dürfen. Mal sehen, ob wir dann auch im ersten Stock landen!
Meine Profs und Kommilitonen
Ich will euch heute (eigentlich schon seit einer Woche) mal mehr von meinen Profs erzählen. Auch wenn die Vorlesungen meist noch frontaler als in Deutschland ablaufen, so macht das Ganze doch einen weniger formellen Eindruck. Vor allem in den zwei Vorlesungen, die ich mittwochs in einem kleineren Raum habe und bei denen wir vielleicht so 40 Studenten sind: Séries temporelles udn Micoréconomie du développement. Ansonten liegt es wohl vor allem daran, dass keiner der Profs im Anzug kommt, sondern eher in Jeans und Hemd oder Pullover.
Der Prof von Séries temporelles ist sowieso die Härte: Er scheint immer sehr von seinem Fach begeistert und geht in der Vorlesung richtig ab. Und zwar so sehr, dass er vor lauter Elan jede Minute eine Kreide beim Schreiben zerbricht, sodass am Ende der Vorlesung der Boden von Kreidestückchen übersät und M. Ahamada von Kopf bis Fuß weiß ist. Ja, die Profs schreiben hier an die Tafel,was manchmal zu regelrechten Kunstwerken führt.
Ganz anders war dagegen die Madame Cudeville, die den ersten Teil der Micro du développement-Vorlesung gehalten hat. Sie scheint relativ jung zu sein, noch keine 40 auf jeden Fall. Auch sie kam nicht in schwarzer Hose, sondern immer modisch in langem Kleid oder Jeans und natürlich Stiefeln. Dazu lange, offene Haare,w as schon fast mädchenhaft wirkte. Und in der Pause stand sie mit den Studenten draußen und rauchte. Obwohl mich der Kurs sehr interessiert, fand ich die Vorlesungen manchmal etwas anstegend, weil Mme oft am Tisch saß und sehr viel und sehr ausführlich redete und sich manchmal selbst verlieren zu schien. Seit letzter Woche haben wir aber ihre Kollegin, Madame Valfort. Auch sie trug die Jeans in den Stiefeln, die Haare lang und offen und dazu einen pinken Pulli. Auch sie ist vielleicht maximal 15 Jahre älter als wir. Aber ihr Unterrictsstil gefällt mir besser. Sie schreibt viel an die Tafel, aber schön gegliedert. Außerdem stellte sie uns mehrmals Fragen. Leider hat sich von meinen Kommilitonen niemand bequemt, eine Antwort zu geben. Da ist es so toll fand, dass die Vorlesung endlich mal etwas interaktiver ablief und ich dazu noch die Antwort auf die Fragen wusste, musste ich mich einfach mal melden. Inzwischen habe ich nämlich auch meine anfängliche Scheu abgelegt, laut und vor allen anderen Französisch zu sprechen.
Da haben vielleicht die beiden Referate geholfen, die ich in Commerce International gehalten habe. Sie liefen beide gut und wir wurden jedesmal vom Prof gelobt. Wobei ich nicht weiß, wie das zu berwerten ist. Denn auch in der letzten Übung meinte er, dass die Präsentation sehr gut gewesen sei. Und die Meinung habe ich mal überhaupt nicht geteilt. Es war einfach mal wieder schrecklich! Man kann doch keine 18 Zeilen ganze Sätze mit Punkt und Komma, aufgeteilt in zwei Blöcke in Schriftgröße 12 auf eine Powerpoint-Folie schreiben! Und das Ganze dann auch noch mit dem Rücken zu den Kommilitonen ablesen! Also dabei werde ich echt schon agressiv. Das ist doch keine Präsentation! Aber wie schon gesagt: Das ist keine Stärke der Franzosen, zumindest nicht meiner Kommilitonen. Was sie dagegen gut können ist telefonieren. Immer uns überall. Sogar in der Vorlesung klingelt das Handy! Und dann wird unter dem Tisch telefoniert. In den größeren Vorlesungen bekommt das der Prof nicht einmal mit. In European Integration lässt dagegen sogar der Prof den Klingelton seines Handys an. Letzten Freitag klingelte es um 10:40. Er warf einen Blick drarauf und meinet dann, wir machen für heute Schluss. 20 min früher als geplant! Ok, ich war froh. 20 min weniger Englisch mit schrecklichem intalienischem Akzent und 20 min mehr Zeit um aufs Klo zu gehen, nen Kaffe zu trinken und was zu essen, bevor dann der 6 Stunden-Marathon losgeht.
Aber nochmal zurück zu meinen Kommilitonen: Ich finde das schon reichlich unverschämt. Und störend ist es auch. Genauso störend wie wenn man vor und hinter sich Leute sitzen hat, die fast die ganzen drei Stunden durch quatschen. Also an Disziplin fehlt es da manchmal.
Jetzt aber zurück zu den Profs. Monsieur Bordes, der Macroéconomie globale hält, gehört eher zu den älteren Semestern. Trotzdem oder velleicht deshalb ist seine Vorlesung gut strukturiert, seine Folien sind schön übersichtlich. Und er entschuldigt sich wenn er etwas vergessen oder ein Folie nachträglich hinzugefügt hat. Aber am besten ist immmer sein Schlusswort: A la semaine pochaine -peut-être. On sait jamais ce qu'il arrive. Was so viel heißt wie: Bis nächste Woche - vielleicht. Man weiß ja nie was einem passiert. Dazu erinnert er uns dann immer daran, ja nicht das Rugby- wahlweise Fußballspiel am Wochenende zu verpassen.
Fehlt nur noch Commerce international. Auch da haben wir zwei verschiedene Profs für die beiden Teile der Vorlesung. Der erst war ganz ok, aber etwas chaotisch, was sich vor allem in seinem Tafelbild wiederspiegelte. Dank seiner Handschrift war das manchmal nicht mehr zu entziffern. Auch er sah am Ende der Vorlesung oft etwas kreide-weiß aus.
Seit zwei Wochen haben wir Monsieur Creuzet. Seine Vorlesung ist strukturierter. Er setzt die Folien gezielt ein, sodass man gut folgen kann. Dabei turnt er regelrecht vorne herum, weil er immer wieder vom Podest springt und wieder hinauf "klettert" um uns z.B. eine spezielle Grafik zu zeigen.


15.12.08 00:19:45, 
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