Archiv für: Januar 2009
Bibliothèque à la francais 2
Mein Ärger war heute Morgen noch nicht vorbei. Denn mein Buch war in der Bib nicht aufzufinden. Es war zwar nicht ausgeliehen, aber im Regal stands auch nicht. Ich habe sogar alle Regale der Wirtschaftsabteilung abgesucht. Erfolglos. Na gut, musste ich halt da bleiben und mit dem Präsenzexemplar arbeiten. Aber da kam ich nur langsam voran. Es war einfach zu laut. Ich kam mir nicht wie in einer Bibliothek, sondern eher wie auf dem Pausenhof vor. Um mich herum pubertierende Teenager -zumindest hatte ich en Eindruck - die mit ihrem Handy spielen (das auch tausendmal klingelt), sich lautstark begrüßen, fröhlich quatschen oder mit ihrem Ipod (immerhin!) Musik hören. Und die Bibliotheksaufsicht startet alle 10 Minuten lächerliche Versuche, Ruhe in den Saal zu bringen. Indem sie "Scht" ruft. Oder den zwei Mädels am Nachbartisch zum 4. Mal sagt, dass sie den Saal verlassen müssen, wenn sie weiterreden. Absolut inkonsequent! Wenn die Eltern der Kids genauso sind, wundert mich echts gar nichts mehr. Arbeiten kann man in dieser Atmosphäre echt nicht. Ich hab zwar drei Stunden durchgehalten, aber so viel geschafft wie zu Hause in einer. Dazwischen musste ich dummerweise aufs Klo. Aber in der Bib gibts keines! Ich musste raus, den Aufzug in den vierten Stock nehmen und dort erst noch den enstprechenden Gang suchen. Das spricht mal wieder Bände über französische/ Pariser Uniorganisation. Auch wenn ich hier nur 1/4 der Studiengebühren von Deutschland zahle. Das ist kein Argument. Bei der Aussattung und dem Service müsste ich in Tübingen vergleichsweise noch Geld fürs Studieren bekommen!
Außerdem war das mal wieder ein Erlebnis, das mir die Vorzüge eines 9jährigen Gymnasiums, der Wehrdienstpflicht oder der Tatsache, dass in Deutschland viele Abiturienten erst mal ein Jahr Pause machen, bevor sie mit Studieren beginnen, vor Augen bzw. Ohren führte: Die Studenten sind in Deutschland nicht nur älter, sondern auch reifer. Und haben es nicht mehr nötig, sich an der Uni wie in der 10. Klasse aufzuführen. Zumindest ist das mein Eindruck. Ja, ich freue mich echt schon wieder aufs Studieren in Tübingen. Aber das zweiter Semester hier werde ich auch noch überstehen ![]()
Bibliothèque à la français
Heute schreibe ich mal aus dem Salle informatique, also dem Computerraum meiner Uni. Wahrescheinlich gibt's in diesem Text zahlreiche Tippfehler, weil ich die franzoesische Tastatur nicht gewohnt bin. Und natuerlich gibt's auch keine Umlaute.
Warum ich hier bin? Eigentlich wollte ich lernen. Denn heute in einer Woche habe ich meine ersten beiden Klausuren: Commerce international und European Integration. Aber fuer European Integration brauche ich unbedingt dieses Buch, das ich schon seit einer Woche vergeblich auszuleihen versuche. Aber es gibt nur 4 Exemplare zur Ausleihe. Und so etwas wie Vormerkung oder verlaengerung kennen die hier nicht. So kam ich am 7. Januar gleich zweimal hierher, weil das Buch an diesem Tag eigentlich zurueckgegeben werden sollte. Wurde es aber nicht. Wahrscheinlich weil man hier keine Gebuehren zahlen muss, wenn man ein Buch nicht zurueckgibt, sondern nur fuer so viele Tage keine Buecher mehr ausleihen darf wie die verspaetung lang ist. Komisches System! Also habe ich beschlossen, mir das Buch zu kaufen. Da es ueber Amazon zu lange dauert, weil es erst aus Deutschland oder Grossbritanien importiert werden muss und es bei Ebay ebenfalls nicht in Frankreich zu haben ist bin ich ganz altmodisch in die Buchhandlung gegangen. Aber Fehlanzeige. Der groesste Buchhaendler am Boulevard Saint-Micherl, Gibert Joseph, der prakrisch das Monopol auf Uniliteratur hat, fuehrt dieses Buch - ja den kompletten Editor nicht! Und das ist ein Standardwerk fuer European Integration. Ok, es ist auf Englisch. Aber trotzdem! Und auch in saemtlichen anderen Buchhandlungen war es nicht zu haben. Und da denkt man, in Paris kann man alles kaufen.
Also gut, habe ich es mir doch auf Amazon bestellt und gehofft, dass es bald kommt. Und bin heute Morgen bei noch immer sehr kalter Luft und teils gefrohrenen Strassen extra mit dem Fahrrad zum Centre Tolbiac gefahren, um dort mit dem einzigen Praesenzexemplar zu arbeiten. Hab mich schon geaergert, dass ich erst kurz vor 11 hier war. Aber dann die boese Uerberraschung: Die Bibliothek oeffnet montags erst um 11! Das gibt's doch echt nicht! Die Begruendung des Herrn am Empfeng war: Weil wir samstags ja bis 13 Uhr geoeffnet haben. Wie bitte? Reicht es nicht, dass die Bib Samstag Nachmittag und den gesamten Sonntag geschlossen ist und auch unter der Woche um 19 Uhr schliesst? Wir haben Klausuren! Wann sollen wir denn lernen? Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich auf die Tuebinger Uni- und Fakultaetsbib freue! So etwas wie verlaengerte Oeffnungszeiten vor den Klausuren kennen die hier nicht.
Bin ja echt am Ueberlegen, ob ich mal ne Mail an die Uni hier schicke und ein paar verbesserungsvorschlaege mache
Aber obs was bringt? Wahrscheinlich wird die Mail nicht mal gelesen. Ok, ich sollte vielleicht nicht immer nur bloggen, wenn ich mich aufrege (was heir ja leider oeferts vorkommt). Aber der Aerger musste raus und ausserdem musste ich ja Zeit totschlagen
Aber jetzt gehe ich mal lieber schnell in die Bib. Denn scheinbar ist das eine Exemplar zurueck und ich will es schnell ausleihen, bevor jemand anderes schneller ist. Das naechste mal melde ich mich dann mich erfreulicheren Nachrichten, versporchen. Und ich werde mal ein paar winterliche Paris-Bilder hochladen. Bis dann!
12.01.09 23:49:30, 
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